Rückblick auf die Nerdwoche Nr. 3

Die Woche stand im Zeichen der Umfragen – die erste Umfrage bezog sich auf das Einweisungsverhalten von Notärzten (richtet sich aber auch an den Rettungsdienst):

Die zweite Umfrage richtet sich ganz speziell an Pflegekräfte in der Notaufnahme, der ZNA Spiegel von der DGINA möchte dabei die Arbeitssituation in der Notaufnahme erfassen.

Diesen Monat widmet sich die neue Folge von  PINCast unter anderem dem HEART-Score und ist wie immer einen Blick wert, seit wenigen Wochen gibt es nun auch einen Rabatt für Studenten.

Unser Video hat sich dem Thema Schwindel gewidmet – Lars Lomberg hat dabei wirklich ein tolles Konzept: Lars hat das Konzept bei Update Notfallmedizin  von  notfallmedizinkurs.de erstmalig vorgestellt – vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr dort, wir Nerdfallmediziner werden jedenfalls mit Beiträgen am Start sein.

Mit ToxDocs hat die deutsche FOAM Gemeinschaft einen neuen Mitspieler, künftig mit immer mehr Informationen rund um Vergiftungen:

Adrenalin bei der Anaphylaxie, das ist ja eines unserer Herzensthemen und wurde auf einer  englischsprachigen Seite nochmal ausgiebig besprochen.

Unser vergangenes Video zu Anaphylaxie gibt es hier.

Zuletzt nochmal eine Reportage (wir lieben Reportagen!!!) über die Situation in deutschen Notaufnahmen und das Thema Portalpraxen.

Zuletzt nochmal ein Link zu dem aus unserer Sicht motivierensten Beitrag über Notaufnahmen (jaja, haben wir schonmal gepostet, aber ist halt einfach nur SUUUPER!)

Wenn ihr alle Videos aufs Handy wollt, könnt ihr euch direkt bei Whatsapp dafür ganz kostenlos und einfach anmelden. Auch unbedingt an interessierte Kollegen und Freunde weitersagen 😉

Schwindel – was nun?

Schwindel? Kling trivial – ist es aber leider nicht… denn während wir bei „Thoraxschmerz“ ziemlich gut wissen, was zu tun ist, wird einem bei den möglichen Differentialdiagnosen von Schwindel selbst gleich schwindelig!

Lars Lomberg von notfallmedizinkurs.de hat uns die wichtigsten Fakten erläutert und bietet mit seinem Konzept sicherlich auch für erfahrene Notfallmediziner einen tollen Algorithmus.

Auch während wir uns hier sehr stark auf die Diagnostik in der Notaufnahme fokussieren, kann die eine oder andere Untersuchung sicherlich auch präklinisch einen Verdacht erhärten… viel Spaß!

Lars schlägt die Integation des ATTEST Konzeptes in das notfallmedizinische Setting vor:

  • A(associated symptoms),
  • TT(timing and triggers),
  • ES(focused bedside examination signs), and
  • T (additional testing as needed)

Folgenden Workflow schlägt Lars dabei vor:

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Der Begriff vestibulär steht hier nicht für das Vestibularorgan sondern für das isolierte Leitsymptom Schwindel im Allgemeinen

Schritt EINS („ABC“)

Besteht ein akutes A/B/C-Problem? Natürlich muss dieses dann umgehend behandelt bzw. der Patient stabilisiert werden! – Da ist der Schwindel nicht anders, als jeder andere Notfall!

Dazu erfolgte eine rasche Untersuchung inkl. Point-of-Care Diagnostik (BGA mit Elektrolyten) und EKG.

Schwindel ABC.png

Wenn hier kein dringlicher Handlungsbedarf besteht, folgt die Untersuchung und Anamnese:

Schritt ZWEI („Schwindel plus“)

Zunächst – ist der Schwindel nur ein „Co-Symptom“ einer schweren Problematik?

Schwindel+.png

Danach wird strukturiert und fokussiert erfragt, ob es einem „Leitorgansystem“ zuordenbare, typische Befunde / Klinik gibt. Diese Organsysteme sind:

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Schritt 3 („Timing und Trigger“):

Wenn es hier keinen klaren Hinweis auf ein Mitbeteiligtes Leitorgansystem gibt, erfolgt die Einteilung in vier Kategorien nach Timing und Trigger in die vier Kategorien „spontan/triggerbar“ und „anhaltend/episodisch“.

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  • s-EVS: spontanes episodisches vestibuläres Syndrom
    • typische Historie, geringes Risikoprofil
    • → Therapie nach Ursache, Risikoprofil= „Neuro-TIA Work-Up“
  • t-EVS: triggerbares episodisches vestibuläres Syndrom
    • Einschluss von BPLS via Dix-Hallpike
    • Einschluss Orthostase via Schellong-ähnlichem Test
  • s-AVS: spontanes akutes vestibuläres Syndrom
    • Neuronitis vs. Kleinhirninfarkt (siehe Abb. unten)
      • Neurologische Auffälligkeiten / Neurostatus
      • HINTS
  • t-AVS: triggerbares akutes vestibuläres Syndrom
    • Triggerfaktoren abfragen
      • Trauma?
      • Toxin bzw. (neue) Medikation?
  • Sonderfall CVS: chronisches vestibuläres Syndrom
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Der Schwindelpatient im Rettungsdienst:

  • ABCDE
  • Blutzucker nicht vergessen!
  • In die Augen schauen!
  • EKG

Mehr Informationen:

Ein tolles Video zum HINTS Test bei Schwindel:

Video zum Thema Dix-Hallpike:

Video zum Thema Epley-Manöver:

Interessante Publikationen:

  • , A New Diagnostic Approach to the Adult Patient with Acute Dizziness, The Journal of Emergency Medicine, (2018). (Link). DOI: 10.1016/j.jemermed.2017.12.024
  • Jonathan A. Edlow, Diagnosing Dizziness: We Are Teaching the Wrong Paradigm!, Academic Emergency Medicine, (2013). (Volltext Link). DOI: 10.1111/acem.12234

 

Rückblick auf die Nerdwoche 30.05.2018

Der nerdige Wochenrückblick am Mittwoch! Was gab es in Sachen Notfallmedizin?

 

  • Die teils wirklich genialen SMACC Vorträge von 2017 sind nun endlich online.
  • Unser Lieblingsmedikament Ketamin wird in einer sehr kleinen  Studie bezüglich der Gabe als Kurzinfusion vs. Bolus untersucht.
  • Wir haben einen Beitrag zu Kindernotfällen und Martins Notfallkarten gemacht. DANKE für euer tolles Feedback! Die Karten wurden nach zahlreichen genialen Rückmeldungen bereits im Detail überarbeitet und sind natürlich weiterhin kostenlos zum Download verfügbar.
  • Das Nüchternheit für eine reine Analgosedierung nicht notwendig ist, hat first10EM zusammengefasst.
  • Der Ileus wurde von FOAMina näher beleuchtet. Insbesondere die anästhesiologischen Aspekte einer „Ileuseinleitung“
  • Wie es um die Sicherheit in der Medizin steht, wird einem durch einen tollen Artikel im Ärzteblatt etwas näher gebracht.
  • Die teilweise etwas überzeichneten Vergleiche zur Luftfahrt machen nachdenklich.

Viel Spaß mit den Links!