Patient Safety – Was wir von der Aviation noch nicht gelernt haben

Habe heute eine äußerst interessanten Artikel gemailt bekommen. “What I learned about adverse eents from Captain Sully“. Lesenswert!

Viele von uns bekommen höheren Pulsschlag, wenn Sie über Patient Safety hören und die Aviation als Beispiel genannt wird: Simulationstraining, Checklists, etc. Wer kennt nicht das phantastische Buch von Atul Gawande “The Checklist Manifesto”. Und die sichere Landung eines havarierten Passagierflugzeugs im Hudson River durch Captain Sully gilt als Musterbeispiel, welches wir Mediziner häufig hören. Jeder kennt die die phantastische Geschichte von US Airway Flight 1549. Toll! …. oder doch eher, ich kann die Vergleiche nicht mehr hören?

Der oben zitierte Artikel ist in dieser Angelegenheit äußerst lesenswert, beschreibt er doch, dass Captain Sully und seine Crew, aber auch der Verantwortliche Fluglotse des Towers, nach dieser grandiosen Leistung mehr als ein Monat Arbeitsunfähig waren! Post-traumatic stress disorder! Und wer hat selbst schon einen Autounfall erlebt und ein Flashback verspürt, wenn er nur einen Schatten im Augenwinkel hatte.

In unserer täglichen Arbeit ist das aber alles kein Thema: Ob persönlich angegriffen oder bespuckt von einem Drogenabhängigen, ob erfolgreich oder nicht-erfolgreich in der täglichen Arbeit mit der hochfokussierten Anstrengung bei Notfällen fallen wir danach häufig in ein Loch … und arbeiten weiter. Haben keine Minute, keine Stunde, keinen Tag oder noch länger Pause und/oder leiden an posttraumatischem Stresssyndrom wie die Crew von Flight 1549. “Stellen Sie sich nicht so an! Da musste ich auch durch!” eine häufige Aussage von Verantwortlichen. Der Artikel thematisiert dies in wirklich herausragender Art und Weise und zeigt auf, weshalb stressige Dienste oft noch Tage nachwirken … und uns hindern die eigene Ruhe zu finden. Ich kann mich auch heute sehr wohl an fatale Verläufe erinnern, sie bleiben lebenslang zurück.

Zusammenfassend habe ich mal wieder meinen Blickwinkel und meine Einschätzung durch diesen Einblick in Ereignisse anderer Tätigkeitsfelder geändert. Es liegt an uns, Änderungen anzustoßen. Die nächsten Generationen werden uns dankbar sein ….

Münchhausen and more: Land unter … und wie ich doch wieder aufstehen kann

Teilweise hat man den Eindruck, dass die Tage in der Notaufnahme nicht mehr enden wollen. Nicht die Patientenversorgung macht den Druck, nein, die steigenden Patientenzahlen und die übervollen Krankenhäuser. Man ist nicht mehr manövrierfähig ….

Und trotzdem muss es weitergehen … und es wird weitergehen! Dazu gibt es eine Klasse Unterstützung: In unserer Ausbildung erfahren wir viel über Erkrankungen, über Pathologien und Pathophysiologien und in reformierten Studiengängen wird zwischenzeitlich auch “Feedback”, “Selbstorganisation” und vieles mehr gelehrt. Was abgeht, und in der heutigen Zeit ungemein wichtig ist, bleibt trotzdem auf der Strecke.

Dem Thema Führung (“Leadership”) hat sich schon seit Jahren eine Gruppe um Dr. B. Hogan, die langjährige Präsidentin der DGINA und jetzige Präsidentin der EUSEM, gewidmet. Ursprünglich von Ihr und anderen initiiert, wurde das Format immer professioneller und ist zwischenzeitlich ein Gemeinschaftsprojekt der Uni Witten-Herdecke und der DGINA.

Und was soll ich sagen. Ein spannendes Format, das auch in 2015 fortgeführt wird. Wer mehr wissen möchte, meldet sich einfach. Everybody is welcome! Und weitere Infos gibt es auch hier bei Facebook

Never forget tetanus!

Gutes Neues Jahr allerseits!

Habe einen Interessanten Fallbericht aus dem Lancet zugesendet bekommen:

Eine ältere, demente Patientin entwickelt generalisierte Steifheit, Opisthotonus, Extension der unteren Extremität und einen Risus Sardonicus. Insbesondere bei Lärm, Licht etc.

Die Symptomatik der Patientin mit sakralen Druckulcera und Symptomen einer Sepsis wird zunächst im Rahmen eines Delirs bzw. im Rahmen des sich verschlechternden Allgemeinzustands interpretiert. Die Symptome sind jedoch auch typisch für Tetanus. Eine weitergeführte Anamnese zeigt auf, dass eine Reimmunisierung in den letzten 30 Jahren nicht erfolgt war. Als Eintrittsstelle werden die offenen Druckulcera benannt.

Trotz Therapie bei V.a. Tetanus verstirbt die Patientin aufgrund ihrer Komorbiditäten.

Wichtige Botschaft des Artikels ist, dass das klinische Bild des Tetanus weiter existent ist und man daran denken muss. Gleichzeitig auch ein Hinweis auf ausreichende Immunisierung zu achten!

Don´t think, try!

Zufällig bin ich wieder über einen bereits von mir archivierten Essay aus dem Deutschen Ärzteblatt gestolpert. Der Herausgeber des Dt. Ärzteblattes, Prof. Baethge, schreibt in einem exzellenten Artikel über das große Thema der “Evidenz basierten Medizin” und diskutiert die in Deutschland bisher unzureichende Umsetzung von EBM in die klinische Praxis. Angesprochen werden u.a. die unterschiedlichne Traditionen des angelsächsischen und des deutschen medizinischen Systems. Während das Deutsche System eher versucht “Hintergründe von Erkrankungen zu durchdringen”, hat sich in der Tradition des britischen Systems der Spruch “Don´t think, try!” durchgesetzt.

Die deutsche Notfallmedizin würde erheblich gewinnen, wenn sie sich an die Prinzipien der Evidenz orientieren würde und auch selbst dazu in akademisch gut geplanten Untersuchungen ihren Beitrag einbringen würde. Ich erinnere mich an kontroverse Diskussionen über einen früheren Beitrag im Blog über den fraglichen Stellenwert einer undifferenzierten Sauerstofftherapie bei akutem Myokardinfarkt. Obwohl auch noch nicht ausreichend gepowert, bestätigen Ergebnisse einer aktuellen randomisierten Studie unsere zwischenzeitlich zwei Jahre zurückliegenden Argumente. Die Originalpublikation ist noch ausstehend, aber vieles spricht für “AVOID Oxygen”. Wer mehr wissen möchte, verweise ich gerne auf weiterführende Literatur (hier). Weitere Studien zu diesem Thema sind in der Vorbereitung.

Wünschenswert wäre, dass auch die Rettungsmedizin in Deutschland mehr Initiativen zeigen könnte, um ähnlich wie skandinavische oder angelsächsische Notfallmediziner – einen wichtigen Beitrag für die notfallmedizinische Versorgung von uns anvertrauten Patienten zu leisten. Aller Anfang ist schwer, aber der Erfolg der TROICA Studie zeigt, dass es prinzipiell auch in Deutschland möglich wäre. Die Größe unseres Landes und die gute Ausbildung der rettungsmedizinischen Infrastruktur sprächen dafür.

Wer hat nun obigen Spruch geprägt. Kein geringerer wie der britische Anatom John Hunter, der Mitte des 18. Jahrhunderts den Spruch “Don´t think, try the experiment” geprägt hat und hier maßgeblichen Einfluss auf die angelsächsische Entwicklung der “Evidenz-basierten Medizin” ausgeübt hat. Und wer war nochmals Hunter? Wer mehr wissen möchte, und auch seine Irrwege kennenlerne möchte (er hat sich in einem heroischen Experiment selbst mit Syphilis und Gonorrhoe infiziert), empfehle ich http://www.whonamedit.com/doctor.cfm/84.html Viel Spass beim Recherchieren!

Warten in der Notaufnahme – Normal oder no-go?

Liebe Kolleginnen und Kollegen. Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür. Häufig müssen speziell in diesen Tagen die Patienten, die sich in den Notaufnahmen vorstellen, warten. Etwas ganz Normales in Notaufnahmen.

 Ein hochinteressanter und differenzierter Artikel aus dem Dt. Ärzteblatt geht auf die Aspekte des „Wartens in Kliniken“ ein. Wirklich lesenswert! Vielleicht auch eine Anregung, doch Veränderung herbeizuführen. Vorschläge hierzu finden sich in dem exzellenten Buch von Kollegen Walker (Das Notfall-Flusskonzept).

Notfallmedizin in Salzburg – AAEM Jahrestagung

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Herzlich möchte ich Sie auf die hochkarätig besetzte Jahrestagung der AAEM in Salzburg hinweisen. Freuen uns gemeinsam mit Prof. Behringer aus Wien sehr, Sie Anfang Dezember in Salzburg willkommen zu heißen.