Einführung der Zusatz-Weiterbildung »Klinische Notfall- und Akutmedizin« in Berlin

Seit dem 11. Oktober ist es amtlich: An diesem Tag ist der 10. Nachtrag zur Weiterbildungsordnung von 2004 der Ärztekammer in Berlin in Kraft getreten. Dieser enthält auch die Neueinführung der Zusatzbezeichnung »Klinische Notfall- und Akutmedizin«, für die sich die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin in ihrer Sitzung vom 11. Juni mit großer Mehrheit ausgesprochen hat. Alle Informationen dazu können Sie hier in unserer Presseinformation nachlesen.

Die Zusatz-Weiterbildung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Facharzt für Notfallmedizin in Deutschland, der in vielen europäischen Ländern bereits etabliert ist. Im Zuge der weiteren Harmonisierung der Ausbildung und Berufsausübung wird sich Deutschland dem nicht dauerhaft verweigern können. Positiv nach vorne schauen lassen uns dabei Länder wie Belgien oder Schweden. Hier wurde der Facharztstandard auch über die Einführung einer Zusatz-Weiterbildung erzielt.

Mit ihrem Beschluss nimmt die Ärztekammer Berlin deshalb eine Vorreiterrolle in Deutschland ein, die von der DGINA ausdrücklich begrüßt wird. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an die Kolleginnen und Kollegen des Arbeitskreises interdisziplinärer Notaufnahmen und Notfallmedizin der Ärztekammer Berlin, die maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen haben. Jetzt liegt es an Ihnen und uns allen, aktiv an die einzelnen Landesärztekammern heranzutreten, und sich dafür einzusetzen, dem Berliner Beispiel zu folgen.

Early Goal Directed… or not?

Am diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin (European Society for Emergency Medicine – EuSEM) in Amsterdam gab es zahlreiche spannende Vorträge – zu viele um sie alle hier zu nennen. Auch das Rahmenprogramm war gut organisiert, beim “SimWar” – einem Simulations-Wettbewerb mit interdiszplinären Schockraum-Szenarien gewann unter 8 Teams aus ganz Europa das deutsche Team ex aequo mit Frankreich.
Einige sehr subjektive “Glanzlichter” der Konferenz: Neben dem inspirierenden Vortrag von Dr. Simon Carley zum Thema “GuerillaSim” war u.a. erweiterte Reanimation und die Relevanz von “Resuscitation Centers” ein wichtiger Punkt und natürlich auch – wie immer ein Topthema – Sepsis.
Während ProCESS und andere Studien heiß diskutiert wurden, wurde eine weitere, dringend erwartete Publikation nur wenige Stunden nach Ende des fantastischen Kongresses im NEJM publiziert – ARISE (Australasian Resuscitation In Sepsis Evaluation Randomised Controlled Trial).

Mehr Details:

Die Kollegen von “The Bottom Line” haben die Studie ausgezeichnet aufgearbeitet – unbedingte Lese-Empfehlung!

Vorwegnehmend zeigte die große, randomisierte Multicenterstudie bei Vergleich der “Early Goal Directed Therapy” und “Standard-Therapie” (usual care) keinen siginifikanten Unterschied in den Endpunkten Krankenhausmortalität (in-hospital mortality), Überlebenszeit (survival time), Dauer der Organunterstützung (duration in organ support), Dauer des Krankenhausaufenthalts (length of hospital stay).

In den ersten (online-)Diskussionen der Ergebnisse aus ARISE und ProCESS stehen erneut die strikte Messung der zentralvenöser Sättigung / ZVD als auch die liberale Bluttransfusion bei der EGDT in Kritik. Als Reaktion auf die beiden Studien gibt es bereits ein Statement der Surviving Sepsis Campaign.

Eine Diskussion hierzu wäre sicher spannend. Ändern die vorliegenden Studien Ihre Sepsistherapie?

Notfallmedizin Summerschool 2014 – Nürnberg

SimulationAm vergangenen, verregneten Septemberwochenende versammelten sich junge Notfallmedizinbegeisterte in Nürnberg. In zwei vollgepackten Tagen wurden der Umgang mit Krisensituationen in zahlreichen Szenarien simuliert.

Ebenso spielten die Diskussion der aktuellen Entwicklungen in der Notfallmedizin und “Hands-On” Training bei invasiven Fertigkeiten und Ultraschall eine wichtige Rolle. 

Dank der freundlichen Unterstützung durch Prof. Michael Christ, Klinik für Notfall- und internistische Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg, konnten Studierende und junge Ärzte zu günstigen Konditionen aus dem In- und Ausland an der Summerschool teilnehmen.

UltraschallSchließlich wurden bei dem Treffen zahlreiche Projekte für die “Young Emergency Doctors” geplant und auch das Nürnberger Nachtleben erfolgreich erkundet – ein fantastisches und extrem motivierendes Wochenende bei der DGINA – Young Emergency Doctors Summerschool 2014!
 


 

 

 

Notfallsonographie zur Abklärung von Nierensteinen

In dieser Woche wurdeeine spannende, von einem Editorial begleitete diagnostische Studie aus Notaufnahmen im N Engl Journal publiziert.Bei Patienten mit vermuteten Nierensteinen ist unklar, welche diagnostische Strategie verfolgt werden soll. Im aktuellen N Engl J of Med sind nun die Ergebnisse einer pragmatischen diagnostischen Vergleichsstudie publiziert:

Die eingeschlossenen Patienten mit V.a. Nephrolithiasis wurden entweder notfallsonographisch durch den Notfallmediziner untersucht, oder sonographisch über einen Radiologen bzw. erhielten primär ein CT des Abdomens. Das weitere Management wurde den behandelndem Arzt überlassen.

Die Inzidenz einer Hoch-Risiko Diagnosen (definiert als abdominal aortic aneurysm with rupture, pneumonia with sepsis, appendicitis with rupture, diverticulitis with abscess or sepsis, bowel ischemia or perforation, renal infarction, renal stone with abscess, pyelonephritis with urosepsis or bacteremia, ovarian torsion with necrosis, or aortic dissection with ischemia ) war niedrig (0.4% innerhalb von 30 Tagen und zwischen den Methoden vergleichbar. Die Sensitivität und Spezifität der drei Methoden, Patienten mit Nierensteinen zu erkennen, war ebenfalls vergleichbar. Auch unerwünschte Erreignisse waren in den drei Gruppen vergleichbar.

Sehr spannende Studie, die mal wieder zeigt, wie wichtig Studien auch in Notaufnahmen sind und notfallmedizinische Fragestellungen durch eine clevere Fragestellung untersucht werden müssen. Ein begleitendes Editorial diskutiert die Befunde und zeigt die Bedeutung der Notfallsonographie auf.

Vollbalancierte Elektrolytlösungen auch beim hyperkaliämischen Patienten? JA

Es kommt immer wieder die Frage auf ob man Ringer bei einer Hyperkaliämie geben kann oder nicht lieber NaCL.Die Antwort ist ein klares NEIN!

 Für 0.9%  NaCl Lösung gibt es so gut wie keine Indikation außer ggf. eine Hyponatriämie oder eine Hyperkalzämische Krise, da Ringer auch Calcium erhält.

 NaCL 0,9% ist alles andere als physiologisch und hat hohe Mengen an NaCL (Na und Cl je  154 mmol). Das kann zu einer hyperchlorämischen Azidose und renalen Vasokonstriktion mit der Folge einer  Verschlechterung der metabolischen Situation führen.

 

Mittel der Wahl sind sogenannte „ balancierte Vollelektrolytlösungen“ gemeinhin bekannt als Ringeracetat oder auch Ringerlactat. Diese haben den Vorteil, dass das Salz= das Anion ( es gibt Ringer LAKTAT, Ringer ACETAT, Ringer MALELAT) in der Leber zu HCO3 verstoffwechselt wird und als Puffer zur Verfügung steht. Deswegen wird, evtl. anders als man sich das denken könnte („ Laktat macht doch sauer“) das Blut gepuffert.

Da für ACETAT  in der Leber weniger ATP gebraucht wird als für LAKTAT verwenden wir Ringer ACETAT. Anbei ein guter Artikel dazu, mit dem Hinweis das es sich lohnt „ intensiv up2date“ alle 3b Monate in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek anzugucken, da dort immer sehr gut Übersichtsartikel stehen.

Ich bedanke mich bei unserem Oberarzt Dr. M. Gnad, der diesen Text zusammengestellt hat. Einen phantastischen Artikel zu diesem Thema von der gleichen Autorengruppe finden Sie auch in Intensiv News.

Ein Meilenstein – Curriculum Notfallpflege

Die Tätigkeit in der Notfallmedizin lässt sich nicht auf die Leistung einer einzelnen Person, einem Helden, reduzieren. Fernsehserien wie “Emergency Room” suggerieren dies gerne. Eine qualitativ hochwertige, professionelle Leistung in der Notfallmedizin lässt sich nur im Team erreichen ….

Hierzu ist neben einer exzellenten ärztlichen Qualitfikation auch eine exzellente pflegerische Qualifikation eine conditio sine qua non. Diesem Schritt ist die DGINA nun näher gekommen, wie in einer Pressemitteilung der DGINA publiziert wurde. Eine Gruppe von Pflegeexperten um das Vorstandsmitglied Frau M. Dietz-Wittstock hat das Fachcurriculum Notfallpflege veröffentlicht. Dies sollte Grundlage für die weitere Ausbildung der Fachkrankenpflege in der Notaufnahme/Notfallzentrum sein!

Gratulation! Tolle Leistung!