Triage reloaded – Wie sinnvoll ist Telefontriage?

Dauerbrenner Notfallversorgung in Deutschland: Nicht zuletzt die hohe Zahl der Patienten, die derzeit in den Notaufnahmen versorgt werden müssen, lässt immer wieder die Frage aufkommen, was könnte verändert werden … leider mahlen die Mühlen langsam, aber ….
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Vor kurzem wurde ich gefragt, was ich von „Telefontriage“ halten würde. Also, ein Patient ruft eine Nummer an und erhält entweder von einer ausgebildeten nicht-ärztlichen Kraft (MFA oder Pflegekraft) oder von einem Arzt eine verbindliche Empfehlung, wohin er mit seinen Beschwerden gehen sollte: Bereitschaftspraxis, oder doch Notaufnahme eines Krankenhauses.

Im ersten Moment musste ich schon schlucken: 1) Bei der Telefontriage sieht man den Patienten nicht, also sollte das Risiko falsch zu entscheiden, doch höher als beim direkten Patienten-Arzt Kontakt sein 2) und das beruhigt mich noch mehr, ich habe keine Ahnung ob Telefontriage schon systematisch untersucht wurde.

Nun, das Einfachste ist wirklich, sich auf PubMed mal die Treffer unter dem Suchbegriff „telephone Triage“ anzuschauen und es kommen erstaunliche Ergebnisse zu stande. U.a. eine exzellent durchgeführte Studie zur Telefontriage im „The Lancet“ (wirklich ein lesenswerter Einstieg in diese Materie):

1) Telefontriage wurde in anderen Ländern doch relativ intensiv untersucht. Es werden die Herausforderungen, aber auch die Vorteile beschrieben, die mit Telefontriage verknüpft sind (zur Übersicht hier).

2) Leider konnte ich nicht richtig nachvollziehen, ob es, ähnlich der „Nurse Driven Triage“ empfohlene Standards gibt. Vermutlich wird der Erfahrungsschatz von Ärzten oder Pflegenden genutzt, um hier zu möglichst treffsicheren Entscheidungen zu kommen.

3) Telefontriage führt tatsächlich zu einer Reduzierung der sofortigen Kontaktaufnahme im ambulanten Setting. Aber

4) Telefontriage hat auch Nebeneffekte: A) Im 30 Tage Follow-up nimmt die Zahl der Patienten zu, die ärztliche Hilfe aufsuchen. B) Die Kosten eines derartigen Systems sind vergleichbar den Kosten vor Etablierung eines derartigen Systems. C) Die Anzahl der Patienten, die Notaufnahmen kontaktieren, nimmt sogar zu. Zumindest zeigt dies eine englische Arbeit.

Zusammenfassend ist die Einführung einer Telefontriage wirklich ein interessanter Ansatz, die verschiedenen Sektoren der Notfallversorgung zusammenzuführen, Patientenwege zu steuern und eine Erleichterung zu schaffen. Es ist aus meiner Sicht aber auch wichtig, Modelle anderer Länder oder Systeme auf ihre Tauglichkeit in Deutschland zu überprüfen und eine Einführung derartiger Systeme zu begleiten und mögliche unerwünschte Wirkungen zu erfassen.

Hier findet sich auch noch ein interessanter Übersichtsartikel zum Thema Telefontriage.

Wirklich spannendes Thema. Das war´s mal wieder aus Nürnberg. Stay away from problems today and join again!

Back to Basics – Non-Anion Gap Acidosis

Über einen genialen Artikel zur Anion-Gap Acidose bin ich auf einen spannenden Artikel zur Non-Anionen Gap Acidose gestoßen … und stelle ganz schlicht für mich fest …
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Man muss sich doch immer wieder Zeit nehmen, die Basis unseres Handwerks mal wieder durchzuschauen. Also … Back to the Basics.

In einem wirklich didaktisch hervorragend geschriebenen Artikel von Rastegar et al. wird anhand eines Patientenfalles (Z.n. Ileostoma) auf die Differentialdiagnose der Non-Anion Gap Acidose eingegangen. Einen ersten Überblick über mögliche Ursachengibt folgende Abbildungen aus dem zitierten Artikel :
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Sehr differenziert gehen die Autoren auf die Physiologie und Biochemie der Non-Anion Gap Acidose ein und fassen den Artikel mit folgenden „Teaching Points“ zusammen:

1) Die non-Anion Gap Acidose kann verschiedene Ursachen wie a) verminderte Säuresekretion, b) Verlust von Basen, oder Infusion von Chloridreichen Lösungen haben
2) Detaillierte Anamnese, körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen der Elektrolyte sind essentiell
3) Das Serum-Kalium ist entscheidend für Diagnosestellung bzw. die differentialdiagnostische Abklärung.
4) Gastrointestinale Ursachen der non-AG Acidose können zu hohen oder niedrigen Kaliumwerten führen (hohe Ileostomie führt meist zu hohen Kaliumwerten)
5) Die Abschätzung der renalen Ammonium-Exkretion ist für die Diagnosestellung wichtig, aber die Abschätzung der Ammoniumausscheidung ist selbst mit verschiedenen Limitationen assoziiert.

Zusammenfassend sollte sich jeder mal wieder mit diesen Basics der Elektrolytregulation beschäftigen. Ich muss ehrlich zugeben, dass man schon öfters in der Notfallversorgung mit derartigen Konstellationen zu tun hat … aber aufgrund der hohen Arbeitslast derartige Fälle zu wenig durchdenken kann.

Das war´s mal wieder aus Nürnberg. Stay away from problems today and join again!

Mission completed – Heutiges Webinar „NowToGo“ erfolgreich gestartet

Guten Morgen. Komme gerade vom heute gestarteten Online Webinar „NowToGo“. ….
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Absolut gelungen. Christian Wrede aus Berlin hat einen exzellenten Vortrag zum Thema „Dyspnoe“ gehalten. Er ist differenziert auf Möglichkeiten der Diagnostik, aber auch Therapie eingegangen. Eine Frage aus dem Rettungsdienst erkundigte sich nach dem Stellenwert der Nicht-invasiven Beatmung. Sicherlich Situationsabhängig, aber der Tenor war lieber einmal früher als zu spät.

Summa summarum eine äußerst gelungene Veranstaltung! Vom Inhalt, vom Format, von der Technik! Ich wünsche den Veranstaltern und natürlich auch uns allen, dass dieses Format zum Erfolg wird! Wird ein Marathon …. also, durchhalten ?

Für Newbies:
Man muss sich für das Seminar anmelden (hier ist der Link zur Homepage) und dann die Kursformate buchen (hier ist das Online Programm). Und dann muss man natürlich noch einige wenige technische Voraussetzungen erfüllen … aber das sollte bei modernen Laptops/PCs kein Problem sein!

WICHTIG: Es gibt keine Aufzeichnung der Veranstaltung! Also … dran bleiben und live schauen!

Wirklich toll gewesen! Das war´s heute nur kurz mit einem Feedback zum OnlineWebinar. Stay away from Problems today and join again!