Medizin wird weiblich – was kann man lernen?

Die Strukturen in deutschen Krankenhäusern orientieren sich noch sehr stark an militärische Strukturen. Schließlich bildete die preussische Militärakademie, die Pépinière, die Grundlage für die Facon von Krankenhäusern, welche heute zumindest in der Arbeitsweise in deutschen Krankenhäusern noch existent ist. Doch vieles ändert sich und Veränderungen beginnen im Kopf! In Krankenhäusern ändert sich vieles, unter anderem das Geschlecht der im ärztlichen Dienst tätigen Mitarbeiter. Und hier sind wir schon beim Thema der Zeit: Das Gender-Thema:

In der Süddeutschen Zeitung wird thematisiert, weshalb zunächst 17 Frauen in der Vorstandsetage von DAX Unternehmen aktiv waren, von denen zwischenzeitlich 8 Frauen zurückgetreten sind. Individuelles Versagen oder Problem des Systems? Vermutlich eher ein Problem des Systems wie im Krankenhaus: Die “Hierarchie von Männern” passt nicht zu der Arbeitsweise von Frauen. Diese wird als sachorientiert und analytisch im SZ Artikel beschrieben.

Und da kommen wir gleich zum Thema des “Hochstapler Syndroms” und der Art und Weise, auf welche Anzeigen sich Frauen eher melden oder eben schon gar nicht den Hut in den Kreis werfen. Spannende Artikel, vielleicht einiges übertragbar. Anderes vielleicht aber auch nicht. Ein interessantes Thema, auch die Notfallmedizin betreffend.

Veränderungen beginnen im Kopf!

Depression Screening in der Notaufnahme

Heute auf Visite eine Patientin identifiziert, die vermutlich eine depressive Episode aufweist. Es stellte sich die Frage, wie man einfach und schnell im Setting einer Notaufnahme (bzw. in der Niedergelassenen Praxis), einen Patienten mit Depression sensitiv identifiziert und ihn dann an die Fachspezialisten weiterleiten kann.Es ist bekannt, dass bis zu 50% der depressiven Patienten nicht korrekt identifiziert werden. Zwei einfache Fragen helfen darüber hinweg:

Two relatively new screening tools may make screening and follow-up for depression easier. The first screening tool consists of 2 questions:

  1. During the past month, have you often been bothered by feeling down, depressed, or hopeless?
  2. During the past month, have you often been bothered by little interest or pleasure in doing things?

Ein fokussierter Text in Medscape erklärt die Thematik und geht auf das Grundproblem des “Nichterkennens” etwas ausführlicher ein.

Eigentlich nicht besonders schwer, oder? 

 

Prognoseabschätzung nach Reanimation

Reanimation ist eines der Kernthemen unseres notfallmedizinischen Know Hows. Für die Zuordnung der Ressourcen wichtig ist es, die Prognose von betroffenen Patienten abzuschätzen, evtl. auch weitere Maßnahmen zu limitieren. Aus diesem Grund …… finde ich eine Arbeit des letzten Jahres sehr interessant, die ich erst im Nachgang gefunden habe:

Bei Herz-Kreislaufstillstand sollte sofort defibrilliert werden. Gelegentlich wird diskutiert, zunächst eine CPR durchzuführen, um eine Defibrillation überhaupt zu ermöglichen. Diese “verzögerte Strategie” zeigt in aktuellen Studien jedoch keine Überlegenheit.

Die Wellenform von Kammerflimmern ist geeignet, um die Prognose der betroffenen Patienten abzuschätzen. In der nun vorliegenden Studie, wurde die Wellenform des Kammerflimmerns vor Defibrillation genutzt, um die Chance der Defibrillation abzuschätzen und dann gezielt eine verzögerte CPR strategie zu veranlassen (Priming the Pump). Und das Ganze randomisiert, prospektiv. Mit anderen Worten, die Analyse des Kammerflimmerns wird genutzt, ob direkt defibrilliert werden sollte oder zunächst eine CPR vor Defibrillation sinnvoll sind.

IN dieser großen Studie, die in den Rettungssystemen von New York und London durchgeführt wurde, zeigte sich leider keine Überlegenheit der Wellform-Analyse-Gruppe. Beide Gruppen (first shock vs. waveform analysis and delayed shock) zeigten ähnliche, aber doch hohe Überlebensraten (ca. 17%).

Die Schlußfolgerungen der Autoren lauten:

VF waveform analysis to selectively guide the initial management of out-of-hospital cardiac arrest patients presenting in VF did not result in improved overall survival. We demonstrated the prognostic value of waveform analysis scores as a determinant of resuscitation outcomes, and we further identified a subgroup of patients for whom guided management via waveform analysis was associated with improved waveform characteristics and for whom additional study appears warranted to understand the factors associated with this finding.

Don´t forget: Messen Sie die Atemfrequenz!

Immer wieder wird von ärztlichem und nicht-ärztlichen Team die Notwendigkeit der Messung der Atemfrequenz kritisch diskutiert. In einem ….aktuellen Beitrag im Deutschen Ärzteblatt wird der Stellenwert der Atemfrequenz bei ambulant erworbener Pneumonie analysiert und diskutiert.

Wichtige Schlussfolgerungen des Artikels sind:

  • Die Messung der Atemnot ist ein sensitiver Parameter, um vital gefährdete Patienten in Notaufnahmen zu identifizieren
  • Bei jedem Patienten, der sich in einer Notaufnahme wegen akuten Beschwerden vorstellt, sollte deshalb die Atemfrequenz bestimmt werden.

Vielleicht ist es hilfreich, diese exzellente Arbeit von R. Strauss et al. aus Erlangen, im eigenen Team vorzustellen und zu diskutieren.

Eine Katze im Ohrkanal… oder: HNO mal anders.

HNO-Notfälle waren schon immer ein bisschen ein Graubereich für mich (vor allem wenn kein Fach-Experte zur Verfügung steht). Die Differenzierung zwischen “Kleinigkeiten” (Schnupfen mit ein bisschen Halskratzen) und ernsthaft bedrohlichen Erkrankungen (Peritonsillarabszess, Bolusgeschehen…) ist hier recht eng – faktisch und räumlich. Dabei kann vielen Patientinnen/Patienten mit einfachen Mitteln geholfen werden, ohne gleich die Kapazitäten einer Spezialabteilung zu belasten.

Auf eine sehr humorvolle Art und Weise – aber auch mit der nötigen Übersicht – präsentieren  eine junge HNO-Ärztin und ihr Kollege aus Großbritannien die “Basics” der HNO-Notfälle. Ich verspreche: Beim Ansehen der Videos wird es nicht langweilig!

Teil 1 HIER – und den Rest gibt’s, wenn Sie …

Nochmal Teil 1 direkt zum Ansehen: Epistaxis.

Teil 2 (Fremdkörper im Ohr)

Teil 3 (Fremdkörper in der Nase)

Teil 4 (Fremdkörper im Rachen)

Teil 5 (Peritonsillarabszess und Tonsillitis)


Teil 6 (Ohrinfektionen)

Beispiel einer souveränen Gesprächsführung

Kommunikation ist ein Kernelement der notfallmedizinischen Profession. Selbstverständlich sollten auch Beispiele aus anderen Branchen genommen werden, um die eigene Kompetenz zu reflektieren und verbessern. Ein besonders gelungenes Beispiel findet Ihr hier …. :-)