Blick über den Tellerrand – “Refresher Course” in Rijeka

Die Kolleginnen und Kollegen in Kroatien sind in der europäischen Notfallmedizin-Szene sehr aktiv. Nun bieten die europäischen “Young Emergency Doctors” den jährlich stattfindenden Notfall-Refresher-Course im wunderschönen Rijeka an.

Neben dem immer spannenden Thema “Schock” werden auch Spezialthemen wie Unterwassernotfälle vor allem praktisch behandelt. Eine tolle Gelegenheit, etwas Neues zu lernen, KollegInnen aus ganz Europa zu treffen und das alles am Meer in Rijeka. Klingt doch gut, oder?

Mehr Informationen gewünscht? Gerne!

Hier gibts den Flyer, ein schönes Promo-Video und die offizielle Website.

Evidenz in der Notfallmedizin und mehr

Liebe Kollegen. In Kürze wird in einem Meinungsbeitrag im Deutschen Ärzteblatt das Thema “Evidenz in der Notfallmedizin” aufgegriffen. Der Artikel zeigt auf, dass wir selbst unseren Beitrag zu mehr Evidenz in der Medizin leisten müssen.
Ähnliche Probleme haben auch die Kollegen der Neurologie, wie beiliegender Beitrag in der FAZ aufzeigt.
Dieses Problem wurde in den Niederlande ganz einfach gelöst. Man bezahlt einfach keine Prozeduren mehr, deren Nutzen zu hinterfragen ist. Erst im Nachgang haben die Ergebnisse der MRClean Studie haben gezeigt, dass die interventionelle Therapie bei großem anterioren Schlaganfall einen klinischen Nutzen hat. Die Rekrutierung konnte offensichtlich durch das Fehlen der finanziellen Kompensation wesentlich erleichtert werden, wie das begleitende Editorial beschrieb. Auch die deutsche Notfallmedizin hat hier noch erheblichen Nachholbedarf … nicht alles was wir aus unserem Erfahrungsschatz als richtig und hilfreich empfinden, muss es dann auch tatsächlich sein. Don´t think, try the Experiment!

Wie funktioniert das Internet?

Das Internet und soziale Medien rücken in den angloamerikanischen Ländern zunehmend in die “Mitte” der notfallmedizinischen Aus- und Weiterbildung. Das Konsumieren von “Blogs”, “Podcasts” und die Teilnahme an virtuellen Diskussionen ist schon längst nicht mehr beschränkt auf einzelne Internet-Verrückte, sondern wird von hochkarätigen Persönlichkeiten getragen. Gleichzeitig erreicht die Qualität der veröffentlichen Artikel ebenso wie die schiere Anzahl neue Rekordzahlen – und alles unter dem Stichtwort “FOAM”.

Wer wissen will, was das bedeutet und wie man in diese großartige Welt voller Wissen eintaucht, sieht sich am besten dieses kurze Video an. Konkret und praxisnah – wie üblich – von den Notfallmedizinern Weingart und Thoma.

Und in Deutschland? Die Anzahl “großer” Notfallmedizin-Blogs lässt sich noch relativ einfach an einer Hand abzählen, open-access ist nicht weit verbreitet und auch gute, regelmäßig aktuelle Notfall-Podcasts sucht man vergeblich. Doch – wie auch beim Facharzt für Notfallmedizin – es geht voran! Die Kollegen von “wAIN’s world” bringen regelmäßig hervorragend ausgearbeitete, gute Themen aus der Anästhesie, vor allem aber auch Notfallmedizin. Auch auf den nationalen Kongressen wird hin und wieder von “Sozialen Medien” gesprochen.

Zum Thema Fortschritt: Abseits der ganzen Begeisterung für das Fach sind auch ökonomische Aspekte und das zukünftige Management einer zentralen Notaufnahme eine wichtiger und reeller Faktor. Barbara Hogan et. al. publizierten zu diesem Thema kürzlich in “Management & Krankenhaus” zum Thema “Emergency Center of Excellence”. Hier wird die Rolle der zentralen Notfallversorgung auch in der Wertschöpfung eines Krankenhauses bzw. Konzerns geschildert. Hogan, von Reinersdorff, Rasche: Strategische und operative Notaufnahme-Steuerung als Wertschöpfungsimperativ

Umfrage zu Behandlungspfaden bei Bauchschmerzen in der ZNA

Die Arbeitsgruppe Wissenschaft führt eine Umfrage zum Thema Behandlungspfade für Patienten mit Bauchschmerzen durch und freut sich über die kurze Beantwortung von wenigen Fragen zu diesem Thema. Angesprochen sind vor allem OÄ und Ärztliche sowie Pflegerische Leitungen von Notaufnahmen.

Bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit für dieses interessante wissenschaftliche Projekt oder leiten Sie den Link an entsprechende Personen weiter.

https://de.surveymonkey.com/r/Bauchschmerz

Orale Antikoagulation – To bridge or not to bridge

Wie gehe ich mit Patienten um, welche eine orale Antikoagulation erhalten und eine kardiale oder nicht-kardiale Prozedur/Intervention nötig haben. Diese wichtige Frage …
wird in einer retrospektiven Analyse in Circulation näher analysiert.
Komplikationen treten in dieser Phase der Intervention relativ selten auf. Die wichtigsten weiteren Ergebnisse dieser großen Kohortenstudie von Patienten mit OAK bei Vorhofflimmern sind:
1) Unterbrechungen der oralen Antikoagulation wegen Prozeduren sind häufig, auch bei Prozeduren mit geringem Risiko einer Blutung.
2) Eine Antikoagulation zur Überbrückung wird in etwa einem Viertel betroffener Patienten durchgeführt. Dies hängt von verschiedenen Faktoren betroffener Patienten ab.
3) Die überbrückende Antikoagulation ist mit einer höheren Komplikationsrate (wie z.B. Blutung etc.) assoziiert.

Die Autoren ergänzen, dass insbesondere der Umgang mit DOACs offensichtlich noch sehr ungewohnt ist und hier wenig fundierte Handlungsweisen praktisch durchgeführt werden.

Zusammenfassend zeigt diese Studie auf, dass der Umgang mit Patienten unter OAC für viele sehr ungewohnt ist. Es gibt auch hier keine klaren Handlungsanweisungen, da die entsprechenden Leitlinien meist aus Expertenmeinungen bestehen. Wichtig für den Alltag ist, dass bei vielen Interventionen die Antikoagulation nicht unterbrochen werden muss. Ansonsten gilt es, das Blutungsrisiko bei Interventionen bzw. das Risiko durch Absetzen der Antikoagulation abzuschätzen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Bridging Konzepte bedürfen der interdisziplinären Absprache. Einige Krankenhäuser haben dies umgesetzt.

Chest Pain reloaded …. nutzt das Belastungs-EKG nach Ausschluß eines akuten Infarktes?

Foy et al. haben eine sehr interessante retrospektive Analyse bei Privatversicherten Patienten in den USA durchgeführt!

In einer Analyse von Patienten, die sich in 2011 wegen Chest Pain in einer Notaufnahme vorgestellt haben, haben die Autoren untersucht, welche diagnostische Strategie nach Ausschluß eines akuten Myokardinfarktes (vermutl. wurde der konventionelle Troponin-Test für die Diagnose genutzt) in betroffenen Patienten sinnvoll ist.

Zunächst ist eindrucksvoll, dass in einem 6 Monats-Follow-up nur 0.3% der Gesamtkohorte von 693 212 Patienten, die sich wegen Chest Pain in einer Notaufnahme vorgestellt haben, wegen akutem Myokardinfarkt erneut hospitalisiert wurden. Und dies ist unabhängig von der diagnostischen Strategie zur nachfolgenden Risikostratifizierung: Weder Belastungs-EKG, noch Myokardszintigraphie, Stress-Echo noch Koronar-CT sind in dieser retrospektiven Analyse gegenüber eine “No-Testing Strategie” in der Notaufnahme mit einer Reduktion von akutem Myokardinfarkt im Follow-Up assoziiert. Leider konnte aus methodischen Gründen die Beeinflussung des Endpunktes Tod nicht analysiert werden. Vermutlich ist der Endpunkt Tod im Follow-up noch viel niedriger.

Die Durchführung von nicht-invasiven Stresstests führt zu weiteren nicht-invasiven Tests und zu einer erhöhten Rate von Koronaruntersuchungen, ohne dass eine Intervention nötig erscheint. Nur die Stressechokardiographie zeigt bzgl. diagnostischer Genauigkeit einem der “no testing Strategie” vergleichbare Häufigkeit an Folgeuntersuchungen.

Die Autoren zeigen natürlich verschiedenen Limitationen dieser Analyse auf. Aber insgesamt passt diese Beobachtung dazu, dass nicht-invasive Stresstests in diesem Kollektiv keinen objektiverbaren Zusatznutzen aufweisen. Dies hatten wir ja bereits früher schon mal diskutiert und ist exzellent in einem Editorial aus 2012 im NEJM zusammengefasst.

Viele von Ihnen werden argumentieren, dass durch diese vielleicht medizinisch unnötigen Tests die betroffenen Patienten mehr “Sicherheit” empfinden dürften und darüber das Gesundheitssystem von Folgeuntersuchungen entlastet wäre. Leider ist dem ganz und gar nicht so … Lesen Sie hier in einer spannende Metaanalyse von Rolfe et al. Overdiagnosis ist einfach ein Problem!

Was bedeuten diese Daten für uns: Bei Ausschluss eines akuten Myokardinfarktes kann vermutlich bei niedrig-Risikopatienten auf weitere nicht-invasive Tests verzichtet werden. Dies können ausgewählt im niedergelassenen Bereich nachgeholt werden. Die Durchführung von Tests zur “Beruhigung des Patienten” scheint eher kontraproduktiv zu sein, an nicht-kardiale Ursachen ist zu denken und diese sind gezielt anzugehen.