Notfallmedizin-Blogs 2013: Grosse Vereinfachung durch RSS-Sammel-Feed

Eine erfreuliche Neuerung ermöglicht allen interessierten Fans der Notfallmedizinblogs diese zukünftig an nur einem Ort zu konsumieren und sich von dort bei weiterem Interesse weiterzuklicken.

Unter FOAMEM finden sich chronologisch geordnet knapp 130 Blogs gelistet, im laufenden Feed nach Aktualität geordnet, jedoch auch mit der separaten Möglichkeit eine Ordnung nach Sprachen vorzunehmen. Im deutschen Bereich ist allerdings bislang lediglich unser Blog auffindbar.

Ich finde dies ist ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisiserung der notfallmedizinischen Webressourcen!


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Der Diagnostik-Kniff: Schlaglöcher unterstützen die Diagnostik bei akuter Appendicitis!

Hallo. Ich hoffe, dass Sie ein schönes Weihnachtsfest hatten. Bei uns sind die Wartebereiche in den Notaufnahmen übergelaufen. Das lange Wochenende hat sicherlich dazu beigetragen, dass – wie eigentlich vorhersehbar – viele Arztpraxen geschlossen haben.

Aber es gibt Interessantes zu berichten: Hatten Sie etwas die Muse, die Weihnachtsausgabe des Britisch Medical Journal zu schmöckern? Nun, es ist faszinierend, dass die Kapillarisierung der Rentiernase offensichtlich sehr ausgeprägt ist und deshalb die “rote Nase” als Kennzeichen erklärt werden kann. Oder dass ein Hund bei Patienten mit Diarrhoe das Vorliegen einer Clostridium difficile Infektion detektieren kann (ultimativer Schnelltest ;-) .Sehr interessant fand ich desweiteren die Arbeit über eine neuartige Diagnostik bei der Abklärung einer Appendizitis: Wenn Patienten mit dem Auto zur Vorstellung in die Klinik fahren und über Verkehrshindernisse fahren (z.B. Schlaglöcher, Strassenschwellen etc.) und es hierbei zu einem Schmerzereignis durch die Erschütterung im Abdomen kommt, so hat dies einen sehr hohen negativ prädiktiven Wert beim Nichtvorliegen dieses Erschütterungsschmerzes  (The sensitivity was 97% (95% confidence interval 85% to 100%), and the specificity was 30% (15% to 49%). The positive predictive value was 61% (47% to 74%), and the negative predictive value was 90% (56% to 100%). The likelihood ratios were 1.4 (1.1 to 1.8) for a positive test result and 0.1 (0.0 to 0.7) for a negative result). Damit ist die diagnostische Genauigkeit dieses Items höher wie manch andere diagnostische Elemente unserer Untersuchungen.

Limitiert ist diese Studie natürlich durch die geringe Fallzahl. Aber …. zumindest kann man im Rahmen der Anamnese nachfragen, ob bei der Anfahrt im Auto ein Erschütterungsschmerz bei Überfahren von STrassenschwellen etc. vorlag oder eben nicht.

Ich wünsche Ihnen einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

 


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Strukturierte Vorankündigung kritisch kranker Patienten verbessert Versorgung in Notaufnahme

In der aktuellen Notfall- und Rettungsmedizin präsentiert Kollege Weichert seine Erfahrungen mit einem standardisierten Anmeldebogen für kritisch kranke Patienten in der Notaufnahme, der in Krefeld unter seiner Ägide eingeführt wurde.

Das Konzept erscheint schon vom Gefühl in die richtige Richtung zu weisen, umso erfreulicher ist es, wenn dies pointiert dargestellt bestätigt wird. Der Artikel ist in jedem Fall  sehr lesenswert.

Hier der Link.


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Ist die Gabe von Sauerstoff wirklich notwendig?

Hat ein Patient einen akuten Mykardinfarkt, eine Exazerbation einer COPD oder einen Schlaganfall, dann wird sofort die Nasenbrille aufgesetzt und Sauerstoff gegeben. Aber ist dies wirklich notwendig? Es gibt ja durchaus Hinweise, dass z.B. nach Reanimation eine Hyperoxämie zu ungünstigerem Outcome führt und auch die Routinegabe von Sauerstoff bei akutem Myokardinfarkt zu einer Übersterblichkeit führt.

Dazu gibt es einen sehr spannenden Übersichtsartikel im British Medical Journal:

Schrittweise wird Wissenswertes über die Gabe von Sauerstoff bei Notfallpatienten berichtet und durchaus kontrovers diskutiert. Die übliche unreflektiert “Standardgabe” von Sauerstoff wird kritisch hinterfragt und aufgrund der vorhandenen Studiendaten letztendlich folgendes Vorgehen vorgeschlagen:

Ziel ist es üblicherweise, eine Sauerstoffsättigung von 94-98% zu erreichen. In den meisten Fällen ist eine Sauerstoffgabe bei einer Sättigung <95% zu erwägen.

Patienten mit COPD sollten eine Zielsättigung von 88-92% erreichen.

Eine “fixe Dosis” von Sauerstoff sollte eigentlich nicht verabreicht werden. Hierzu gibt es Daten, dass dies evtl. sogar mit ungünstigen Ereignissen assoziiert sein kann.

Zusammenfassend gibt noch diese Tabelle eine gute Hilfestellung:

Box 1: Medical emergencies where oxygen is likely to be required until patient is stable and within target saturation range3

Medical emergencies requiring high concentration oxygen in all cases
  • Shock, sepsis, major trauma

  • Cardiac arrest and during resuscitation

  • Anaphylaxis

  • Carbon monoxide or cyanide poisoning

Medical emergencies where patients are likely to need oxygen therapy (ranging from low to high concentration depending on disease severity), with target saturation range 94-98%
  • Pneumonia

  • Asthma

  • Acute heart failure

  • Pulmonary embolism

Medical emergencies where patients are likely to need controlled oxygen, with target saturation range 88-92%
  • Acute exacerbation of chronic obstructive pulmonary disease (COPD)

  • Acute illness in patients with cystic fibrosis

  • Acute respiratory illness in patients with obesity hypoventilation syndrome or morbid obesity

  • Acute respiratory illness in patients with chronic neuromuscular or musculoskeletal conditions

Wer noch etwas über die Notwendigkeit einer Sauerstoffgabe bei akutem Schlaganfall lesen möchte, ist hier gut bedient. Wirklich spannend!


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Medien für den Notfallmediziner – der Vortrag als PDF

Das Adventssymposium in Nürnberg war ein sehr gelungenes Event. Neben den zahlreichen interessanten Vorträgen war auch ein vorweihnachtliches Wochenende in Nürnberg absolut eine Reise wert.

Im Rahmen der Fortbildung hatte ich die Gelegenheit meine Gedanken zum Thema Notfallmedizin-Ressourcen im Web darzustellen. Wie im Rahmen des Vortrages versprochen folgt hier der komplette Vortrag als PDF mit allen Links zum Nachlesen.

Medien für den Notfallmediziner, Nürnberg Adventssymposium 2012 (Lomberg)

 


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Tox Update – Diphenhydramin Intoxikation

Liebe Freunde der Notfall- und Akutmedizin. Die gestrigen Programmpunkte des Adventssymposiums waren wirklich sehr sehr spannend. Eine weitere Steigerung zu den schon am Freitag präsentierten Themen. Alle Teilnehmer waren sehr zufrieden, obwohl wir sicherlich weiter an unserem Konzept arbeiten werden. So wurde insbesondere der Wunsch nach mehr Diskussionmöglichkeiten geäußert.

Gerne nehme ich den Vortrag des Nürnberger Neurologen Prof. F. Erbguth zum Anlass, um folgenden Artikel aus dem New England Journal of Medicine einzustellen.

Die Darstellung eines Opsoclonus, welcher in der vorliegenden Konstellation (wacher Patient, Opsoclonus) offensichtlich pathognomonisch für die Intoxikation mit einigen Substanzen ist (u.a. Diphenhydramin). Der Vortrag von F. Erbguth hat in hervorragender Weise verschiedene Bewegungsstörungen mit verschiedenen Krankheitsbildern in Zusammenhang gebracht und diese mit uns diskutiert. Sehr unterhaltsam. Das Video seines Vortrags werde ich mit den anderen Videoaufzeichnungen des Adventssymposiums in Kürze einstellen.


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Fancy ECG – Hätten Sie es gewusst?

Time is limited. Leider habe ich dies die letzten Tage mal wieder am eigenen Leib gespürt. Die Organisation des Adventssymposiums (zu dem ALLE Interessierten Ärzte, Pflegenden, MFAs, Rettungsassistenten, Studenten etc.) eingeladen sind, wirft einen langen Schatten. Dank der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft der Organisatoren, werden wir dies auch dieses Jahr stemmen können.

Also: Am kommenden Freitag und Samstag ist es soweit. Es gibt auch Eintrittstickets vor Ort! Nun aber doch wieder ein fachliches Thema. Ein 12-Kanal EKG, welches mir heute über den Weg “gelaufen” ist.Ein 65jähriger Patient stellt sich in der Bereitschaftspraxis wegen Obstipation vor. Seit einigen Tagen hat er vermehrt Belastungsdyspnoe, ist zunehmend schwach.

In der Vorgeschichte ist ein “Herzinfarkt” vor 7 Jahren zu vermerken.

Eine Einweisung in die Notaufnahme erfolgt (kodiert!) Belastungsdyspnoe, Obstipation, V.a. Anämie.

In der Notaufnahme stellt sich der Patient mit folgenden Vitalparametern vor: ESI 2, AF 14/min, HF 127/min, RR 115/85; GCS 15, Temp 38.2 °C, Sättigung 81% unter Raumluft.

Es wird bei Aufnahme ein 12-Kanal EKG geschrieben:

Ich finde, dass dies ein sehr spannendes, und durchaus nicht ganz einfach zu interpretierendes EKG ist.

Ich bitte Sie, Ihre Interpretation des EKGs zu kommentieren und vorzuschlagen, was Sie als nächtes gemacht hätten.

Die Auflösung erfolgt dieses Mal etwas früher …. Versprochen ;-)


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1 Woche Schaffenspause…

Aufgrund persönlicher Kurzurlaube und Kongressvorbereitungen müssen wir unseren Blog leider für eine Woche hintenanstellen. Ab Mitte Dezember geht es dann wieder weiter mit interessanten News, Fällen und mehr zum Thema Notfallmedizin…

Mit zwei Leuten ist es manchmal etwas schwer immer regelmässig Neuigkeiten zu präsentieren, deshalb hier noch einmal der Aufruf an Interessierte sich mit eigenen inhaltlichen Themen bei uns einzubringen…


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Notfallmedizin advanced – Wie hätten Sie entschieden?

Eine 90-jährige Rüstige Frau stellt sich vor mit akut aufgetretener Dyspnoe und thorakalem Engegefühl. Keine Ausstrahlung, keine Übelkeit, kein Erbrechen, nie so etwas zuvor gehabt.

VE: arterielle Hypertonie, keine kardiopulmonalen Vorbefunde

Soziales: allein zuhause lebend, Selbstversorgerin

Vitalwerte: SO2 96% unter 6l O2, RR 110/80, HF 100/min, Temp 37.3°C

Notfallsono/Echo für Dyspnoe: Vena cava inferior nicht moduliert und prall, RV>LV, LV-Funktion gut, Lungen trocken

Lab: D-Dimer >15 (Normwert 0,5), Trop 90 (Normwert <30)

Ich denke alles soweit klar: Hinweis auf eine grosse hämodynamisch beginnend wirksam werdende LAE. Pat ist aber recht stabil, oxygeniert gut unter 6 l O2 und fragt was nun wird. Es wird ein CT-Thorax angefertigt, welches neben einem reitenden Thrombus im Pulmonalishauptstamm diesen Befund zeigt.

Was ist es und wie denken Sie sollten wir therapieren (meines Wissens nach gibt es keine klare Leitlinie hierfür, aber ich erhoffe mir eine interessante Diskussion).

 


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Beeindruckende Bilder interaktiv – Bauchschmerzen und Erbrechen

Eine 28 yr. junge extrem kachektische Patientin mit Anorexia nervosa, derzeit ohne psychotherapeutische Anbindung stellt sich vor wegen Übelkeit und Erbrechen. Aus Anamnese ergeben sich HInweise auf eine weiterbestehende psychiatrische Ursache, allerdings ist der Bauch recht hart und ubiquitär druckschmerzhaft.

Die Vitalere: RR 100/60, HF 92/m, SO2 98% unter RL, Temp 36.5°C, Schmerz NAS 7/10

Eine initiale Sonographie zeigt eine nahezu den gesamten Bauchraum ausfüllende flüssigkeitsgefüllte Struktur. Nach Anlage einer Magensonde, die mässig Magensekret ohne Blut fördert erfolgt der Entscheid zu einer CT-Bildgebung…

Ideen?

Gehen wir noch mal einen Schritt weiter. Es handelt sich nicht um eine pathologische Struktur per se. Es handelt sich um ein Organ, dieses ist aber erheblich pathologisch verändert. Sehen Sie einmal auf die röntgendichte Rohrstruktur in der Mitte…. Ich poste noch einen Transversalschnitt:

OK, das riesige organ, welches den gesamten Bauchraum ausfüllt ist…. der Magen! Und was von aussen schon nicht gut aussieht sieht meist auch von innen nicht so gut aus:

Und wie gehts weiter? Zunächst mit munterem Raten, ich verabschiede mich in eine Woche Urlaub…

 


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DGINA Blog – Fazit der ersten 2 Monate

Liebe Leser,

den heutigen 1. Dezember möchten wir nutzen um uns bei Ihnen für ihr Interesse an unserem Blog zu bedanken. Seit nun mehr 2 Monaten versuchen wir täglich neue interessante Nachrichten aus dem Bereich Notfallmedizin/Notaufnahme zusammenzustellen und hoffen dabei den Geschmack der Leser zu treffen. Um dies zu tun benötigen wir jedoch noch mehr Feedback.

Was interessiert Sie? Welchen Themen sollen wir uns zukünftig widmen?

Gerne können Sie uns auch eigene Textvorschläge zum Thema zusenden, die wir uns gerne ansehen und bei Eignung (natürlich unter Nennung des Urhebers – wenn gewünscht) veröffentlichen.

Seien Sie Teil dieser Interaktivität, treten Sie in Kontakt zu hunderten anderen Gleichgesinnten…


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Notfallmedizin leise: Patient mit liegendem Zugang – plötzlich nicht mehr auffindbar…

Wenn ich Posts aus dem englischsprachigen Ausland lese, inklusive der darunter folgenden Kommentare, die über unterschiedliche Regelungen diskutieren wie mit Patienten zu verfahren ist, die mit einer Viggo, Ebbo oder wie auch immer man die Rosanüle am Arm bezeichnen soll, die Klinik verlassen hat, dann wird mir leider einmal mehr schmerzlich bewusst, wie weit wir entfernt sind von einer guten standardisierten Klinischen Notfallmedizin. In diesem gutem Post des Blogs Impacted Nurse, den ich besonders interessierten Pflegekräften in der ZNA nur ans Herz legen kann, geht es genau um dieses Thema.

Fazit für mich ist, dass die kognitiven Fähigkeiten des Patienten ein wesentliches Entscheidungskriterium für das weitere Vorgehen sind.

Aus meiner persönlichen Erfahrung mit den Suchaufträgen (fragliche Suizidalität, Demenz) an die Polizei würde ich vermuten, dass es schwerfallen dürfte diese von der Suchnotwendigkeit zu überzeugen. Und wie sagte einer der Kommentatoren noch: “They’ve got a small disposable piece of plastic in their arm.”.

Nicht sehr überzeugend für eine kleine Streifenfahrt, oder?

Was ist Ihre Meinung?


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Spannende Diskussion – Hat ein “Stiff neck” mehr Schaden als Nutzen

So als passionierter, internistisch vorgebildeter Notfallmediziner beschäftigt man sich mit dem Stellenwert mancher chirurgischer Techniken nur wenig. Um so mehr war ich überrascht, eine eMail von Kollegen Kulla aus Ulm zu erhalten, in der u.a. eine wissenschaftliche Publikation enthalten war, deren Aussage ist, dass das Anlegen eines Stiff Neck mehr Schaden anrichtet als es nutzt.

Absoluter Blödsinn?

Nun, es gibt Übersichtsarbeiten, die den Stellenwert eines Stiff Neck durchaus als positiv bewerten und diverse andere Empfehlungen aussprechen. Hier die Originalzitate aus dieser Arbeit:

Question 1. What is the optimal type and duration of prehospital spinal immobilization in patients with acute SCI?

Immobilization of patients with SCI during the prehospital setting should include a cervical collar, head immobilization, and a spinal board. Patients should be transferred off the hardboard on admission to a facility as soon as is feasible to minimize time on the hardboard. If patients are awaiting transfer to another institution, they should be taken off the hardboard while awaiting transfer.

Padded boards or inflatable bean bag boards should be utilized to reduce pressure on the occiput and sacrum. These recommendations are intended for adults and children over the age of 12 years

Question 2. During airway manipulation in the prehospital setting, what is the ideal method of spinal immobilization?

Airway management of acute SCI patients requiring intubation in the pre-hospital setting should include the use of manual in-line cervical spine traction. Intubation of patients with acute SCI in the pre-hospital setting should not rely solely on cervical collar neck immobilization. Indirect methods of intubation may cause less cervical movement than with direct laryngoscopy with a Miller blade.

Question 3. What is the impact of pre-hospital transport time to definitive care on the outcomes of patients with acute SCI?

Transport of patients with acute traumatic SCI to the definitive hospital center for care should occur within 24 h of injury.

Question 4. What is the role for pre-hospital care providers in cervical spine clearance and immobilization?

Emergency medical personnel in the pre-hospital setting can be trained to apply criteria to clear patients of cervical spinal injuries and immobilize patients suspected of having a cervical spinal injury. The implementation of this recommendation will likely be impacted by regional variations in law and health policy.

Andere Arbeiten (und gleichzeitig Empfehlung einer Expertengruppe) kommen zu einem anderen Ergebnis: Die Immobilisation der HWS sollte nur bei Vorhandensein eines fokal neurologischen Defizits erwogen werden. Von einer routinemäßigen Stabilisierung sollte abgesehen werden – wegen der damit verbundenen Nachteile.

In einer kritischen Arbeit in Curr Opin Crit Care aus 2002 wird der Stellenwert der HWS-Immobilisierung ebenfalls sehr zurückhaltend diskutiert.

Nun, dieses Thema hat unter einigen Freaks, welche diese eMail erhalten haben eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Ich erlaube mir, die eMail von Kollegen Bernhard aus Leipzig, der bei der S3 Leitlinie Polytrauma mitgewirkt hat, in Auszügen zu zitieren:

Herr Kulla hat hier eine sehr wichtige Frage gestellt: Bringt die prähospitale HWS-Immobilisation etwas, birgt diese ggf. Risiken/Komplikationen und kann man bei einer bestimmten Patientengruppe nicht darauf verzichten. Wir wissen aus der Literatur, dass die HWS- und Ganzkörperimmobilisation relevante Auswirkungen auf den Patientencomfort, die respiratorische Funktion und die Haut hat. Teilweise dauert es eben doch etwas länger bis der Patient innerklinisch abgeklärt ist und schon haben sich Druckstellen entwickelt. Darüber hinaus besteht eine nicht unerhebliche Problematik im Rahmen der Atemwegssicherung, hier heißt es ja nicht umsonst, „kann der Anwender problemlos intubieren, saß der Stiffneck nicht richtig“ (daher auch die MILS als Empfehlung in der S3 LL Polytrauma). Wir haben die NICE und die NEXUS-Kriterien um zu evaluieren bei welchen Patienten wir auf eine HWS-Immobilisation bzw. auf eine  bildgebenden Abklärung verzichten können.

Ich möchte aktuell dies aber kritisch folgendermaßen diskutieren:  Wenn man einen etablierten Standard entfernt bzw. ein gelebtes Procedere mit einem „schwierigen“ Entscheidungsalgorithmus unterlegt, so werden einige Patienten profitieren, andere werden aber nicht profitieren und ggf. Schaden erleiden.

…… Die Amerikaner diskutieren diesen Punkt ja nicht weniger kritisch als wir. Ich denke wir müssten uns hiermit beschäftigen, dann aber ein einfaches und rasch umsetzbares Konzept mit höchstmöglicher Sicherheit vorschlagen, ansonsten  läuft man Gefahr eingetretene Wege für Traumapatienten unsicher zu gestalten.

 


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Risiko in der Notfallmedizin, die Zweite…

Ich muss gestehen, dass meine Mitstudenten und ich für die medizinische Statistik früher nie viel übrig hatten. Auch war uns die Wichtigkeit des Verständnisses für derartige Inhalte früher wenig bewusst. Heute arbeiten ein paar von uns in der Notaufnahme und führen täglich Tests  an Patienten durch die weder 100%ige Sensitivität noch Spezifizität haben. Trotzdem bezeichnen wir diese als “beweisend für” oder “Ausschluss einer” speziellen Diagnose. Dies ist bei näherem Nachdenken offensichtlich nicht korrekt. Wieder einmal vor Augen geführt wurde mir das Ganze in einer interessanten Blogpostreihe “Emergency Medicine – a risky business” von StEmlyns. In aktuell vier Beiträgen (es scheinen noch mehr zu werden) setzen sich die Autoren mit der Frage auseinander welches Risiko akzeptabel ist, nicht ganz überraschen stellt sich heraus, dass dies unterschiedlich ist, abhängig von Erkrankung um die es geht, Population, Patientenwunsch und letztlich auch vom eigenen Risikobewusstsein.

Hochinteressante Posts deren Lektüre sich sicher lohnt.


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Korrekte Einstellung der Antikoagulation mit Marcumar

Leute, die mich kennen, wissen, dass ich ein Fan von Standardisierung bin. Für mich bedeutet Standardisierung eine Arbeitserleichterung, selbstverständlich kann ein Standard bei entsprechenden Argumenten jederzeit “over-ruled” werden.

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit auf einen Standard hingewiesen, wie üblicherweise eine Überdosierung von Marcumar bearbeitet werden sollte. Nicht immer ist die Gabe von 10mg Vit K notwendig. Ganz im Gegenteil, eine dosierte und an dem STandard orientierte Vorgehensweise hilft, die indizierte Marcumarisierung rasch wieder im Zielbereich zu haben.Sehr interessant finde ich eine aktuelle Arbeit in Circulation.

In der RE-LY Studie wurden den Investigatoren im “Warfarin” Arm ein einfacher Algorithmus der Dosisanpassung angeboten, wie die Warfarin-Dosis geändert werden soll: Ist der INR im Normbereich, findet keine Dosisanpassung statt, ist er außerhalb des Zielbereichs, wird die Wochendosis um 10-15% geändert (d.h. eine 10-15% höhere Dosierung bei Unterdosierung bzw. eine 10-15% niedrigere Dosis bei Überdosierung also INR >3; hier ausführlicher: (1.51–1.99 or 3.01–4.00), and a 15% dose change for greater deviations from the target range). Die Untersucher stellten fest, dass die Paitenten, die offensichtlich nicht nach dem Algorithmus therapiert wurden, viel häufiger außerhalb des therapeutischen Bereiches waren und damit auch ein deutlich höheres Risiko für unerwünschte Ereignisse hatten.

Dies finde ich extrem spannend. Mir war gar nicht bewusst, dass es derartige “Algorithmen” gibt. Und auch im begleitenden Editorial wurde die Einschränkung gemacht, dass es sich um Studienbedingungen handelte und die Übertragung in die Praxis möglicherweise nicht so gelingt. Gleichzeitig zitiert das Editorial einige positive Ergebnisse aus der täglichen klinischen Praxis.

Interessant ist aus einer anderen Studie, welches die Ursachen für eine zu hohe Variabilität der INR Werte unter Antikoagulation ist:

  1. unübliche therapeutische Zielbereiche der Antikoagulation
  2. Lücken in der Messung der INR-Werte
  3. Keine Nachmessung der INR Werte, wenn die Dosis verändert wurde.

Spannende Vorgehensweise, meines Wissens in deutschen Krankenhäusern wenig realisiert. Wäre eigentlich eine Aufgabe der universitären Lehre. Was habe ich mich da immer abgeschuftet. Wer mehr wissen möchte, schaut in die Leitlinien.


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Anatomy in Emergency Medicine – Linktip

In der aktuellen Folge zur Schulteranatomie behandelt der Blog Läsionen mit notfallmedizinischer Relevanz im Rahmen eines Schultertraumas und geht dabei über die gängigen knöchernen Verletzungen hinaus.

Anatomy in EM ist ein exzellenter Video-Podcast der regelmässig neue Inhalt aus dem Schnittmenegenbereich Klinische Anatomie/Notfallmedizin bietet. Im Rahmen ca. 10- minütiger Videovorträge präsentiert der Autor, ein temporär in die Klinische Anatomie ausgewanderter Notfallmediziner, regelmässig klinische Beispiele häufiger neurologischer und unfallchirurgischer Notfallthemen. Die Beispiele sind immer praktisch relevant gewählt und thematisieren in der Regel wirklich nur das, was der Notfallmediziner wissen sollte.


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Clinician´s Update: Akute Blutung unter Dabigatran

Wir haben uns ja bereits öfters mit dieser Thematik beschäftigt. Wie kann ich einen Patienten, der unter Dabigatran Therapie blutet, optimal versorgen.

Hierzu möchte ich auf einen aktuell erschienenen Artikel in Circulation verweisen (Kategorie Clinician´s Update). Wer diese Serie in Circulation kennt, weiss, dass zunächst ein Fall vorgestellt wird und anschließend der Fall theoretisch aufgearbeitet wird.Was sind die Schlüsselbotschaften dieser Fortbildung:

  1. Die Gabe von Dabigatran ist bei Patienten mit schwerer Einschränkung der NIerenfunktionseinschränkung kontraindiziert. Bei älteren Patienten und/oder einer Clearance von 30-50ml/min ist eine Dosisanpassung vorzunehmen (110mg Dabigatran 2x täglich)
  2. Bei Patienten, die einen operativen Eingriff mit niedrigem Blutungsrisiko erhalten (z.B. Zahnextraktion), kann die Gabe von Dabigatran fortgeführt werden. Derartige Eingriffe sollten >100min nach letzter Gabe von Dabigatran durchgeführt werden.
  3. Bei milden Blutungen sollte Dabigatran gestoppt werden, und eine differentialdiagnostische Aufarbeitung erfolgen.
  4. aPTT Messung ist geeignet, um das Vorliegen einer Dabigatran-Therapie zu überprüfen. Ist die aPTT nicht verlängert, liegt kein nennenswerter Spiegel an Dabigatran vor. Mittels Thrombin Zeit und entsprechender Kalibration können Dabigatran Spiegel bestimmt werden.
  5. Bei schweren Blutungen sind verschiedene Maßnahmen zu ergreifen: I) Anwendung von lokaler Maßnahmen (eigentlich logisch), die letzte Gabe von Dabigatran sollte erfragt werden, in Abhängigkeit von der Halbwertszeit sollte z.B. eine Tamponade bei Nasenbluten verbleiben; II) Messung von Creatinin, Aufrechterhaltung der Diurese; III) Transfusion von EKs und Fresh Frozen Plasma sowie IV) Verabreichung von Prothrombinkomplex

Den hier nochmals eingestellten Algorithmus finde ich sehr praktikabel:


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Das EXPERIMENT – Unser Blog zieht um!

Liebe Freunde der Notfall- und Akutmedizin

Lars Lomberg, ich und unsere Autoren haben überlegt, wie wir unser gemeinsames Interesse an der Notfall- und Akutmedizin noch besser an unsere Leser transportieren können. Deshalb haben wir uns entschieden, die Blogs www.newsakutmedizin.blogspot.com und www.nofame4u.de zusammenzuführen und unter die Obhut unserer Fachgesellschaft DGINA e.v. (Deutsche Gesellschaft für Klinische Notfall- und Akutmedizin e.V.) zu stellen.

Bitte besuchen Sie uns zukünftig auf: www.blog.dgina.de
(DER deutschsprachige Blog in Notfall- und Akutmedizin)

Dieser Umzug ist für Sie mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden. So werden Sie sich neu anmelden müssen, auch die Links müssen aktualisiert werden. Wir hoffen jedoch, dass wir in gewohnter Weise unsere Themen gemeinsam mit Ihnen diskutieren können und durch diese Veränderungen unseren Leserkreis weiter erweitern. Falls Sie Verbesserungsvorschläge haben, bitte wenden Sie sich direkt an uns.

Ihr Michael Christ im Namen der Autoren

Trauma – Wieviel Volumen, welches Volumen?

It´s the volume, stupid (in Anlehnung an den Wahlentscheidenden Slogan von B. Clinton). Eine einfache Phrase, letztendlich in der Medizin doch schwierig zu entscheiden.

Tim Harris et al. gehen in ihrem Übersichtsartikel "Early fluid resuscitation in severe trauma" auf das Volumenmanagement bei schwerem Trauma ein.

Kurz und knapp formuliert, fasst der Artikel wesentliche Grundsätze des Volumenmanagements zusammen. Etwas frustrierend ist, dass es eigentlich nicht viel Neues gibt:

1) Wie wird ein Patient identifiziert, der in das Damage Control Concept eingeschlossen wird: Dies sind Trauma-Patienten, die innerhalb der ersten 2-4h mindestens 4 Erykonzentrate benötigen.

Das DCR Konzept legt fest, dass zunächst die Blutungsquellen gestoppt werden müssen, erst dann wird Volumen gegeben. Somit wird nicht mehr - wie früher - viel Volumen gleich am Unfallort gegeben, sondern man ist sehr restriktiv und geht eine permissive Hypovolämie ein. Dies führte zu einer deutlcihen Reduzierung der Volumen. Aber auch hier gibt es interessante tierexperimentelle Arbeiten und nciht "one size fits all".

2) Wie können Patienten mit Schock identifiziert werden? Ein Blutdruck <90mmHg gibt einen Hinweis, insgesamt werden Schockpatienten jedoch über den reduizierten Blutfluß identifiziert. Laktatbestimmung ist eine Option. Weitere Details im Paper.

3) Welche Art von Volumen soll gegeben werden? SChwerpunkt liegt auf Kristalloiden. Aber auch hier gibt es bei bestimmten Traumaformen (z.B. isoliertes leichteres SHT) die Möglichkeiten, über die Gabe von hyperosmolaler NaCl-Lösung Vorteile zu erzielen. Die Datenlage ist aber weit weg von eindeutig.

4) Die Gabe von Tranexamsäure scheint sich zwischenzeitlich zu etablieren. Empfohlen werden 1g über 15min, dann 1 g über 4 Studnen (innerhalb von 3 Stunden nach Trauma).

Der Artikel ist es wert, durchgearbeitet zu werden. Viel Spaß dabei!

Einen etwas umfangreicheren Artikel zum Traumamanagement finden Sie in Postgrad Med 2012. Auch sehr lesenswert.

Nachgefragt – Wie lange noch Adrenalin bei Reanimation?

Liebe Kollegen. Vor kurzem hatten wir eine aktuelle Analyse zum Stellenwert von Adrenalin bei der Reanimation vorgestellt.

Nun habe ich in der aktuellen Ausgabe von Intensiv-News
einen exzellenten deutschsprachigen Artikel von Kollegen des Universitätsklinikum Hamburg - Eppendorf gefunden. Exzellent recherchiert und auch sehr gut kommentiert. Die derzeitigen Empfehlungen sollten weiter befolgt werden, nichtsdestotrotz muss man sich mit dieser Thematik beschäftigen. Ein Ergebnis der Diskussion ist aber auch .... VIEL Adrenalin (wer kann sich nicht daran erinnern, dass Adrenalin in hohen Mengen pur gegeben wurde) hilft nicht unbedingt viel.

Auch muss differenziert betrachtet werden, was jeder von uns subjektiv empfindet: Und hier bedeutet die erfolgreiche Abgabe eines Reanimierten Patienten nicht unbedingt, dass er auch überlebt. Sehr nachdenkenswert.

Noch ein Tipp:
Wer die Intensiv News regelmässig lesen möchte, kann sich gerne kostenlos das iPad App Intensiv-News runterladen. Extreme Erleichterung und Sie haben immer Zugriff auf aktuelle hervorragende Literatur.

Der Patient mit COPD – Hätten Sie es gewusst?


Wie gestern angekùndigt, bin ich heute auf der Interpneu gewesen. Eine seit vielen Jahren stattfindende pneumologische Fortbildung in Nūrnberg. Grosses medizinisches Kino!

 Unser Nürnberger Pneumologe, Kollege Prof Ficker erklärte sehr plastisch die neue Klassifikation der COPD. Es handelt sich um die GOLD Leitlinien, die in ihrer neuen Form teilweise etwas gewöhnungsbedürftig sind.

Was ist neu? Nun, die klassische Einteilung der COPD nach der FEV1 wird wegen diverser Nachteile verlassen. Es gibt neu eine Vierfeldertafel, welche sich nach dem Ausmaß der Lungenfunktionseinschränkung bzw. nach der Anzahl der exazerbationen pro Jahr (>2 Exazerbationen; der höhere SChweregrad zählt!) und nach dem Ausmaß der Symptome, welche anhand der MRC Dyspnoe Skala bzw. CAT Instrument (in Deutscher Sprache! Aber etwas ausführlicher und möglicherweise dadurch klinisch wenig praktikabel) festgelegt werden. Hier ist zunächst die etwas leichter zu verstehende MRC Dyspnoe Skala:




Wichtig für die Praxis: wenn der Patient mit Gleichaltrigen nicht mehr mithalten kann, gehört er von der Klassifikation in den höheren Schweregrad (Skala größer 2).

Aus dieser Vierfelder Tafel werden die Klassen A bis D festgelegt und entsprechend die Therapieempfehlungen festgelegt.




Wichtig erscheint mit nochmals zu betonen, dass inhalative Steroide erst ab Stadium C gegeben werden und auch eine Monotherapie mit inhalativen Anticholinergikum

Therapieziel bei COPD sollte auf die Vermeidung von Exazerbationen ausgerichtet sein. Der neue GOLD Report ist mehr auf die Betonung der Symptome ausgerichtet.

Wer das Originaldokument nicht lesen möchte, sollte zumindest deutschsprachige Zusammenfassungen lesen.

Über den Tellerrand gesehen:
Prophylaxe mit Azithromycin 250mg p.o. einmal täglich führt bei COPD Patienten zu einer klinisch signifikanten Verbesserung der Symptomatik und Reduzierung der Exazerbationen. Das begleitende Editorial finden Sie hier. Was dies für die klinische Praxis bedeutet, ist derzeit unklar. Azithromycin ist mit einer Erhöhung der kardiovaskulären Sterblichkeit assoziiert, auch die Bedeutung der Keimselektion ist unklar. Und wer noch mehr wissen will .... siehe hier.



Part 2 – Antikoagulation bei STEMI

Hallo. Hier eine etwas ausführliche Antwort von Embracecomplexity als Antwort auf die Kommentierung zu einem kürzlich veröffentlichten Post. Danke für die ausführliche und bebilderte Antwort! Here it is ....


Und hier die ausführliche Antwort von Embracecomplexity:


Erstmal vielen Dank für den Kommentar und hervorragende Diskussionsgrundlage.

 Ein "Ansteigen-lassen" der PTT nach Intervention bedeutet eine Unterbrechung/Beendigung der Vollantikoagulation.  Nach Europäischer Leitlinie 2012 gibt es (im Gegensatz zum ACS ohne Intervention) keine Indikation für eine „routinemäßige“ Voll-Antikoagulation nach erfolgter PCI.  Der Hersteller von Enoxaparin empfiehlt zur Vermeidung von Blutungskomplikationen an der Punktionsstelle: „It is important to achieve homeostasis at the puncture site after PCI. If a closure device is used, the sheath can be removed immediately. If a manual compression method is used, sheath should be removed 6 hours after the last IV/SC enoxaparin sodium injection. If treatment is to be continued, the next scheduled dose should be given no sooner than 6 to 8 hours after sheath removal. The site of the procedure should be observed for signs of bleeding or haematoma formation.“  Ein Zeitintervall von 6 h ist bei intravenöser Verabreichung sicherlich als ausreichend zu werten: i.v. bedeutet schnelles Erreichen einer wirksamen antiXa-Aktivität: volle Antikoagulation circa 90-120 min, dann bereits Abfall der Wirksamkeit: siehe Abbildung aus:  



Ein weiterer Schritt Richtung Vermeidung von Blutungskomplikationen an der Einstichstille ist sicherlich der Zugangsweg über die A. radiales, der allerdings eine entsprechende Erfahrung und Lernkurve voraussetzt.

Ich denke, man sollte sich mit den Kollegen der Kardiologie abstimmen. Vielleicht das Thema im eigenen Haus als Diskussiongrundlage ansprechen und so „Horizonte öffnen“...Einer evtl erhöhten Komplikationsrate an der Punktionsstelle steht eine Mortalitätssenkung unter Enoxaparin gegenüber.


Wochenende noch nicht verplant?

Liebe Kollegen, das Wochenende steht vor der Tür .... das Wetter macht auch seine Zicken.

Aus diesem Grund möchte ich Ihnen eine hervorragende pneumologische Fortbildung empfehlen, welche heute und morgen (28/29. September) im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg, stattfindet.

Insbesondere die Programmpunkte am Samstag vormittag und frühen Nachmittag sind auch für Notfall- und Intensivmediziner von großem Interesse. Es würde mich freuen, Sie dort zu treffen!

Welches Antikoagulans beim STEMI mit primärer PCI?

Bereits in einigen vorangehenden Diskussionen wurde die Thematik "Antikoagulation von Patienten mit STEMI" aufgegriffen. Es wurden einige Leitlinien und Publikationen diskutiert. Gerne möchten wir hier nochmals in die Tiefe gehen.

1.     Enoxaparin versus  Heparin unfraktioniert

Die Studienlage spricht eindeutige Worte zu Gunsten Enoxaparin gegenüber unfrakt. Heparin beim STEMI: sowohl was Mortalität als auch (überraschenderweise..) was Sicherheit ="major bleeding" betrifft. V.a. Patienten mit STEMI und primärer PCI profitieren von Enoxaparin (Mortalität: 48% relative/2,9% absolute Risikoreduktion, NNT=34; Major bleeding: 28% relative/1,9% absolute Risikoreduktion, NNT=53). Auch die Anzahl von "minor bleedings" ist in der Enoxaparin-Patientengruppe niedriger, wenn auch nicht signifikant. Grund für den Überlebensvorteil sehen die Autoren der Metaanalyse in der Prävention ischämischer Ereignisse, die durch die stabile und vorhersagbare Pharmakokinetik von i.v.-Enoxaparin erreicht wird > optimale Antikoagulation bei mehr als 90% der Patienten!.

Daneben spielen günstige endotheliale und antiinflammatorische Wirkungen von Enoxaparin evtl. eine Rolle. Die höhere Sicherheit, welche durch die i.v.-Verabreichung erreicht wird, wirkt sich ebenfalls positiv auf die Mortalität aus.

Bivalirudin wurde in einer randomisierten Studie gegen die Kombination aus Heparin+GpIIb/IIIa-Antagonist verglichen.  Es ergab sich ein Vorteil zu Gunsten Bivalirudin bezüglich Mortalität und Blutungsrisiko. Eine Metaanalyse (siehe oben; 9 Studien; Vergleich Bivalirudin vs Heparin) bestätigte die bessere Sicherheit mit weniger Blutungskomplikationen, eine Überlebensvorteil konnte jedoch nicht gezeigt werden. Nebenbei: die Kosten pro PCI-Behandlung für Bivalirudin liegen für einen 70 kg-Patienten bei 511,36 bis 1.022,72 €.

3.     Heparin unfraktioniert
Bezüglich unfraktioniertem Heparin existieren bisher keine randomisierten Plazebo-kontrollierten Studien, allerdings – so die ESC-Leitliunie -: „there is a large body of experience with this agent“.

Zusammenfassend:
Enoxaparin ist nach aktueller Studienlage als First-choice-Antikoagulans (sicher +  Überlebensvorteil) beim STEMI mit primärer PCI zu sehen.
In den neuen ESC-STEMI-Leitlinien wird es „nur“ mit einer Klasse IIb-Empfehlung gewertet (Zusatz: „maybe preferred over unfractioned heparin“).

Unfraktioniertes Heparin kann – widersprüchlicherwiese als Klasse I-Empfehlung – „in patients not receiving bivalirudin or enoxaparin“ verwendet werden.
Die Wertung als Klasse I mag mit der jahrelangen, traditionellen Praxis  und Erfahrung mit unfrakt. Heparin zusammenhängen.  Vielleicht wird auch hier, gemäß „Murder your darlings“ ein Studien-angepasstes Umdenken stattfinden.

Allein der Preis macht Bivalirudin (Klasse I-Empfehlung nach ESC) in der alltäglichen Praxis zu einer „unattraktiven“ Alternative zu Enoxaparin oder unfraktioniertem Heparin.

Eine weitere Alternative ist die Verwendung von Fondaparinux. Dies werden wir in Kürze referieren.

Wie in der letzten Diskussion zu dieser Thematik vorgebracht, ist wenig verständlich, warum nicht die fraktionierten LMWH in der täglichen Praxis eingesetzt werden. Dies hat sicherlich mit Ängsten während der Intervention zu tun. Auch der Wechsel von einem Antikoagulanz zum Anderen birgt größere Probleme. Ich denke, dass wir intern die Thematik nochmals diskutieren werden. "Murder your darlings" .... sicherlich die richtige Ansage!


Procalcitonin – Wirklich der Weisheit letzter Schluß?


Auch bei uns hat sich bei vielen Kollegen (und Kolleginnen) eingebürgert, Procalcitonin als wichtigen Biomarker für die Diagnostik einer bakteriellen Infektion zu verwenden. Aber ist dem wirklich so?Zum richtigen Zeitpunkt erscheint nun in Crit Care Med eine Untersuchung, welche sowohl hinsichtlich Diagnostik als auch hinsichtlich Verbrauch von Antibiotika keinen Vorteil einer Procalcitonin Messung auf der Intensivstation sieht. Im Vergleich zu anderen Studien werden aber keine Verlaufsmessungen durchgeführt, sondern nur die Werte zu Beginn der Patientenbetreuung untersucht.

Interessante Arbeit. Durchaus auch auf unsere Patienten übertragbar. Im begleitenden Editorial wird nochmals darauf hingewiesen, dass die publizierten Studien ganz unterschiedliche Algorithmen verwenden und letztendlich eine überzeugende Multizenter-Studie für das Kollektiv der Intensivpatienten abgeht.

Auch wenn es mir schwer fällt, die Stellenwert der PCT gesteuerten Therapie bzw. deren unabhängigen additiven Wert bei Intensivpatienten erlaube ich mir schon seit längerem höflich in Frage zu stellen. Ich denke, dass die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik einem teilweise schon aufhorchen lassen sollte. 

Selbst Beat Müller hat auf einem phantastischen Vortrag bei den Weimarer Sepsistagen im letzten Jahr kommuniziert, dass die PCT gesteuerte Therapie eher etwas für eine Kollektiv mit weniger schweren Erkrankungen ist. Bei intensivpflichtigen Paitenten wird sich doch ernsthafterweise keiner erlauben, eine Therapie zurückzuhalten .... insbesondere wenn die Krankheitsschwere ausgeprägt ist und deshalb eine zeitnahe Therapie von immenser Bedeutung ist.

Mein Tipp: Lesen Sie die Originalarbeit und das begleitende Editorial. Unterstützt die Zweifler einer zu liberal genutzten Diagnostik mit PCT!

Ulkusblutung nach H.p. Eradikation

Heute mal ein Thema, das nicht nur den Notfallmediziner in uns interessiert. Was ist "State of the Art" nach stattgehabter Ulkusblutung? Üblicherweise wird bei pos. H.p. Befund eradiziert, anschließend eine Prophylaxe mit Säureblockade durchgeführt.


In diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie, die im Am J Gastroenterology publiziert wurde, sehr interessant. Was sind die Hauptergebnisse dieser Studie?

1) Der Anteil der H.p. positiven Patienten mit Ulkusblutung liegt bei nahezu 100%. Für mich neu war, dass die bioptische Sicherung der H.p. Infektion mittels Urease-Test bei akuter Blutung offensichtlich nur eine geringe Sensitivität aufweist. Ein entsprechender Atemtest, ggf. nach Absetzen von PPI, ist eine sensitivere Methodik.

2) Ein Teil der Patienten sind auch noch nach einer Eradikationstherapie noch nicht eradiziert. Es wurden in dieser Studie teilweise mehrere Therapiekurse einer Eradikationstherapie durchgeführt (PPI + Clarithromycin + Amoxicillin). Eine Therapiekontrolle wurde mittels Atemtest durchgeführt.

3) Die Reblutungsrate war bei H.p. negativen Patienten bei <1%. Auch ohne PPI Therapie.


Somit ist es offensichtlich möglich, nach erfolgreicher Eradikationstherapie auch nach Ulkusblutung auf eine prophylaktische Säureblockierende Therapie zu verzichten. Beim Lesen des Artikels einiges gelernt! Ob natürlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich auf eine prophylaktische Therapie verzichtet werden kann, sollte mit den Gastroenterologen vor Ort diskutiert werden.

Sterblichkeit bei Stroke als "Qualitätsindikator"?

In der Medizin nehmen zusehends harte Qualitätsindikatoren eine wichtige Rolle ein. Wer kennt nicht die Sterblichkeitsrate bei ambulant erworbener Pneumonie? Sie soll eine wichtige Aussage über die Güte einer adäquaten Diagnostik und Therapie geben.

Ähnlich verhält es sich auch bei Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall. In einer aktuellen Studie wurde gezeigt, dass die frühe Sterblichkeit von Patienten mit Schlaganfall durchaus auch von anderen Faktoren wie z.B. Patienten- oder Angehörigenwille abhängig sein kann.

Ich denke, dass es wichtig ist, nicht nur Zahlengläubig zu sein und auch die Faktoren, die eigentlich erst die richtige Medizin ausmachen, berücksichtigt werden müssen. Also, nicht zu zahlengläubig sein!!!

How to prevent C Diff Infection

Guten Morgen! Der Herbst kommt langsam richtig in Fahrt und damit auch die Zeit der respiratorischen Infekte. Gleichzeitig wissen wir, dass die Rate an Patienten, die längere Zeit wg einer C diff assoziierten Diarrhoe behandelt werden müssen oder sogar sterben dtl zugenommen hat. Wo ist hier der Link?
Nun, Betalaktam- Antibiotika, insbesondere Ceftriaxon ist in hohem Maße mit dem Auftreten einer C Diff assoziierten Diarrhoe assoziiert. Was kann man da nun machen?

In diesem Zusammenhang finde ich einen brandaktuellen Artikel in Clin Infect Dis sehr spannend: Bei Paitenten, die wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie behandelt werden, wird in den Leitlinien eine Kombination von beta-laktam mit einem Fluorchinolon bzw. einem Makrolidantibiotikum empfohlen. Eine Alternative ist die Kombination mit Doxycyclin.

Die Autoren des San Francisco General Hospitals empfehlen in ihrer Klinik eine primäre Kombination von Ceftriaxon mit Doxy. Im Paper ist nun ausgewertet, wie häufig eine C Diff Infektion mit dieser Kombination versus ohne Doxycyclin auftritt. Erstaunlich: Die Kombination mit Doxy ist mit einer klinisch relevanten und signifikant niedrigeren C Diff Rate assoziiert. Die ist auf eine Wirksamkeit von Doxy vs. Einzelner C diff Stämmen zurückzuführen. In ihrer Schlussfolgerung empfehlen die Autoren, dass die Kombination mit Doxy reevaluiert werden sollte.

Es handelt sich um eine retrospektive Analyse. Ich würde diese Vorgehensweise ungern morgen umsetzen, aber ich finde das Paper äusserst interessant und vielleicht sollte dieses Procedere bei einzelnen Patienten Anwendung finden.

In diesem Zusammenhang finde ich auch noch sehr interessant, dass offensichtlich in
einzelfällen das AB Tigecycline bei C diff Infektion mit Therapieversagen erfolgreich eingesetzt wurde. Da wir derartige Fälle in letzter Zeit hatten und auch die "Stuhltransplantation" nicht jedermanns Sache ist, sollte diese Option differentialtherapeutisch erwogen werden.

Battle Sign – Hinweis für Schädelbasisfraktur

Bei Patienten mit Sturz auf den Kopf muss differentialdiagnostisch immer an eine Schädelbasisbruch gedacht werden. Neben einem Orbitahämatom, Liquorrhoe, Rhinorrhoe ist auch das 'Battle Sign.' Hinweis für eine mögliche Schädelbasisfraktur.

Wie schaut dies aus? Schauen Sie sich Clinical Images der aktuellen NEJM Ausgabe an.
Link: http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMicm1100820


Nach diesem klinischen Zeichen muss man aktiv suchen!

Adrenalin bei REA – Wirklich sinnvoll?


Verzeihen Sie die Sendepause in den letzten Tagen. Ich war sehr eingebunden in die DGINA Jahrestagung in Berlin. Die Jahrestagung der DGINA hat wieder zugelegt. Sowohl inhaltlich als auch vom Veranstaltungsort top. Nun aber mal wieder etwas Inhaltliches. 


In einer Session über aktuelle notfallmedizinische Publikationen berichtete U Kreimeier aus München über eine Metaanalyse, die den Stellenwert von Adrenalin gegenüber Placebo bei der out-of-hospital Reanimation untersuchte.

Wie bereits zu einem früheren Zeitpunkt aufgrund der Ergebnisse einer retrospektiven Analyse berichtet, führt die Gabe von Adrenalin zu einem höheren Anteil von Patienten, die wieder einen spontanen Rhythmus aufweisen, aber im Follow-up zeigt sich, dass Adrenalin gegenüber Placebo keinen Vorteil aufweist. Auch Vasopressin bietet keine Vorteile (bzw. Nachteile) gegenüber Adrenalin und damit auch Placebo.

Kollege Kreimeier, der Mitglied in der Taskforce ALS des ERC ist, sagt, dass momentan keine Änderung an den Reanimationsempfehlungen erfolgen sollte. Trotzdem sind diese Ergebnisse erstaunlich und auch ernüchternd. Für die Kollegen der Präklinik gibt die Studie noch eine andere Botschaft: Wenn man einen Spontanrhythmus eines Patienten erreicht, bedeutet dies nicht, dass damit auch das Überleben gesichert ist. Manche seit langen Jahren praktizierten Vorgehensweisen müssen offensichtlich einer Prüfung unterzogen werden. Auch das Editorial ist lesenswert.