Sepsis: 6-Stunden Bundle revisited

Die Surviving Sepsis Campaign nimmt die neuen Daten aus ProMISE, ARISE und ProCESS zur Kenntnis und überarbeitet das 6-Stunden Bündel zur Sepsis-Therapie.

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 Updated Bundles in Response to New Evidence

- www.survivingsepsis.org/SiteCollectionDocuments/SSC_Bundle.pdf

With publication of 3 trials that do not demonstrate superiority of required use of a central venous catheter (CVC) to monitor central venous pressure (CVP) and central venous oxygen saturation (ScvO2) in all patients with septic shock who have received timely antibiotics and fluid resuscitation compared with controls or in all patients with lactate >4 mmol/L, the SSC Executive​ Committee has revised the improvement bundles.
- Surviving Sepsis Campaign

 

Die überarbeiteten Bundles:

3 Stunden Bundle
(innerhalb 3 Stunden komplettieren):

 

  1. Laktat-Wert messen
  2. Blutkulturen vor Antibiose gewinnen
    (Anm. d.Verf.: damit sind mind. 3 Paare gemeint, entspr. 6 Flaschen)
  3. Breitspektrumantibiose beginnen
  4.  30ml/kg KG Kristalloider Lösung bei Hypotension oder Laktat >4mmol/l

 
6 Stunden Bundle
(innerhalb 6 Stunden komplettieren):

  1. Vasopressoren mit Ziel-MAP (arterieller Mitteldruck) >65mmHg, wenn die Hypotension nicht auf Volumengabe reagiert.
  2. Im Falle einer anhaltenden Hypotension nach initialer Volumengabe oder bei initialem Laktat >4mmol/l, Volumenstatus und Gewebeperfusion gemäß Tabelle 1 re-evalutieren
  3. Laktat erneut bestimmen, wenn es initial erhöht war

 

Tabelle 1 – Re-Evaluation des Volumenstatus und der Gewebsperfusion

Entweder:

  • Wiederholte fokussierte Untersuchung durch einen “licensed independent practitioner” (Anm. d. Verf.: Eine Pflegekraft mit expliziten Kompetenzen insbes. im Medicaid-System), die Vitalzeichen, kardiopulmonalen Status, Kapillarfüllung, Pulse und Hautstatus umfasst

oder 2 der folgenden:

  • ZVD-Messung
  • Messung der zentralvenösen SpO2
  • Herzecho
  • Dynamische Bestimmung der Volumenreagibilität durch Bein-Hebe oder Volumen-Bolus-Versuch

Fazit:

Schon in ihrer Metaanalyse aus dem Jahr 2013 unterstrichen Marik und Cavallazzi das Fehlen jeglicher Bedeutung des ZVD für die Beurteilung des Volumenstatus oder der Volumenreagibilität. Er ist ebenso bedeutsam wie die Raumtemperatur. In diesem Kontext flehten sie (im Titel) für mehr gesunden Menschenverstand im Umgang mit dem ZVD.

Ähnliches kann man nun über die Zentralvenöse Sättigung als kontinuierlich gemessener Parameter und Zielwert hämodynamischer Interventionen sagen.

Die Surviving Sepsis Campaign hat erstaunlich lange benötigt, um uralte Zöpfe der Medizin ab zu schneiden. Eine  Überarbeitung, die lange nötig war.

In Kürze hier: Wie mach ich das denn nun, mit dem Status, nachts, allein?

Telefon-Rea: Ab welchem Alter können Kinder unter telefonischer Anleitung eine effektive Reanimation durchführen?

Jede Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahmen sinkt die Chance zum Überleben um ca. 10%. Um Laien adäquat in die Rettungskette einzubinden und damit das Überleben zu verbessern bieten viele Leitstellen die telefonische Anleitung zur Reanimation an (Telefon-Rea). Forscher aus Neuseeland haben sich jetzt mit dem Mindestalter von Kindern zur Durchführun einer effektiven Reanimation unter Anleitug eines Leistellendisponenten befasst und ihre Ergebnisse in einer aktuellen Studie vorgestellt.

 


How effectively can young people perform dispatcher-instructed cardiopulmonary resuscitation without training?
Resuscitation. 2015 Mar 14;90:138–142. PMID: 25779008

 

Um diese Frage zu beantworten werten Matthew Beard und seine Kollegen die Reanimationsergebnisse von ingesamt 87 Kindern im Alter von 7 bis 15 Jahre aus. Die Reanimation erfolgte an einer Erwachsenenpuppe unter telefonischer Anleitung durch einen erfahrenen Leitstellendisponenten und beinhaltete sowohl Thoraxkompression als auch Beatmung. Ziel war die Durchführung einer 6 Minuten langen Reanimation. 

Bezüglich der Kompressionstiefe konnten Kinder ab einem mittleren Gewicht von 40 kg (ca. 11 Jahre) eine befriedigende Drucktiefe von mehr als 20 mm erreichen. Auch bei der Kompressionsfrequenz zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Hier erfüllten Kinder ab einem Alter von 11 Jahren die erforderliche Frequenz von 100 Kompressionen pro Minute. Die Beatmung konnte nur inadäquat (ca. 250 ml) von einem Kind durchgeführt werden.

 

Kompressionstiefe:

 Kompressionsfrequenz:

Demographische Daten:

 

Fazit:
Beard und Kollegen konnten zeigen, dass untrainierte Kinder ab einem Alter von 11 Jahren in der Lage sind unter telefonischer Anleitung eine effektive Reanimation durchzuführen. Beatmen ist für untrainierte Kinder jeglicher Altergruppen schwierig und führt in der Reanimationssituation eher zu Problemen.


 

Kurz vorgestellt: Load & go beim Kammerflimmern – nur wenn sonst nichts klappt

Kann es Sinn machen einen flimmernden Patienten unter Reanimation zu transportieren? Ja sagt ein japanisches Team um Azusa Takahashi, hat aber auch spezielle Ansprüche, was die Zielklinik angeht.

Relationship between duration of prehospital resuscitation and favorable prognosis in ventricular fibrillation

Am J Emerg Med (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.ajem.2015.02.031

inemuri

Eine extrakorporale Zirkulation zur Reanimation kann bei therapierefraktärem Kammerflimmern lebensrettend sein. Das Paper stellt die Frage nach der Verbindung zwischen prähospitaler Reanimationsdauer, 24h Überlebensrate und neurologischem Outcome nach 30 Tagen.

Von Januar 2009 bis Dezember 2013 wurden in Funabashi, einer Stadt mit rund 600.000 Einwohnern auf 86km2, 2549 Reanimationen beobachtet, davon 172 mit initialem Kammerflimmern. In 53% der Fälle war durch Umstehende mit einer Reanimation begonnen worden. Nach im Median 11 Minuten war das CPR-Team vor Ort, nach im Median 13 wurde der erste Schock abgegeben (Zeit ab Alarmierung).82 Patienten (47,7%) erhielten ein Antiarrhythmikum, erstaunlicher Weise in 67 Fällen (81% der Anwendungen) Lidocain statt Amiodaron. 106 Patienten wurden als Schock-refraktär, also ohne Wirkung des primären Schocks beschrieben.

Von den 172 Patienten mit Kammerflimmern überlebten 73 die ersten 24h (42,4%). 34 hatten nach 30 Tagen einen CPC-Score von 1 oder 2 (gutes neurologisches Outcome), 39 einen Score von 3 oder mehr (schlechtes neurologisches Outcome).

Wie zu erwarten stellt sich ein ein Zusammenhang zwischen Überleben/Outcome und Dauer der präklinischen Reanimation dar.

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Die Autoren schlussfolgern, dass es Sinn mache eher früher zu transportieren und die Patienten damit einer extrakorporalen Zirkulation zuzuführen, bleiben aber Daten über deren Erfolg im genannten Setting schuldig.

Die mittlere Zeit bis zum ersten Schock von 13 Minuten ist für einen urbanen Rettungsdienst eine Katastrophe. Zeiten um und  unter 8 Minuten sind für urbane Gebiete beschrieben und zu fordern.

Auch der geringe Anteil der Patienten mit beobachtetem Kammerflimmern von nur 7,9% lässt auf eklatante strukturelle Probleme in der präklinischen Versorgung einer japanischen Großstadt schließen. In der Regel sind rund 30% zu erwarten. Der Umstand, dass die Hälfte der beobachteten Fälle mit Kammerflimmern durch Umstehende reanimiert wurden (ein relativ hoher Wert für Japan) lässt die gesamte Studie eher als Plädoyer für eine Bystander-Reanimation durch verbesserte Ausbildung und Motivation der Bevölkerung, den Aufbau eines Netzes aus öffentlich zugänglichen AEDs und einer strukturellen Verbesserung des Rettungsdienstes erscheinen.

Amiodaron wurde von der Arbeitsgruppe, unter Ignoranz den Leitlinien gegenüber, erst ab September 2012 eingesetzt.

 

Fazit:

Wenn man eine ECMO oder Herz-Lungen-Maschine um die Ecke hat, dann kann man schon mal zügig losfahren. Ob das hilft, wissen wir nach diesem Artikel zwar nicht, aber wir können erahnen: Prüfen! Rufen! Drücken! eine gut ausgebautes Frühdefibrillationssystem und ein zügiges Eintreffen von Helfern macht sich auch im internationalen Vergleich gut. Die einfachen Dinge eben Zwinkerndes Smiley

Ansonsten – Inemuri (居眠り)

Zu Gast: Stellungnahme PHTLS Deutschland zur Immobilisation von Traumapatienten

Das nationale Board des PHTLS, einer der größten Anbieter von strukturierter Traumaversorgungs-Konzepten in Deutschland, rückt die Anwendung der Zervikalstütze (z.B. Stiff-Neck®)ins rechte wissenschaftliche Licht. Aus dem Dogma wird eine gezielte medizinische Maßnahme.

Stellungnahme zum Themenkomplex „Immobilisation von Traumapatienten“ durch das Nationale Board von PHTLS Deutschland (Stand: März 2015).
Erarbeitet durch die Forschungsgruppe präklinische Wirbelsäulen-Immobilisation der PHTLS Europe Research Group

phtös

Wenn einer der drei großen Anbieter  (ATLS, PHTLS, ETC) an Konzepten und Schulungen zur Traumaversorgung die derzeitige Evidenz zusammenfasst und interpretiert, dann lohnt es sich hin zu hören.

Im Folgenden der Original-Text:

Die Sinnhaftigkeit der Immobilisation beim Traumapatienten generell, sowie die verschiedenen Möglichkeiten
der Durchführung dieser Immobilisation werden in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend kontrovers
diskutiert. Auch in zahlreichen notfallmedizinischen Foren und den verschiedenen sozialen Medien wird z. T.
wissenschaftlich fundiert, z. T. aber auch äußerst emotional über dieses Thema berichtet und diskutiert.
PHTLS Deutschland hat schon vor einiger Zeit damit begonnen die existierenden Kontroversen zu diesem
Thema wissenschaftlich aufzuarbeiten. Im Rahmen der PHTLS Europe Research Group gibt es ein eigenes
Forschungsprojekt zu diesem Thema. Gründliche wissenschaftliche Arbeit, welche auf ausreichenden
Fallzahlen beruht, benötigt allerdings Zeit, weshalb noch nicht ausreichend eigene Studienergebnisse
vorliegen. Zeitgleich erfolgte aber eine ausführliche Literatur-Recherche zum Themenkomplex der
Immobilisation des verunfallten Patienten.
Sowohl die PHTLS-Instruktorinnen und –Instruktoren und mittlerweile auch das PHTLS-Sekretariat erreichen
häufig und zahlreich Nachfragen zu diesem Thema, wodurch auch immer wieder Unsicherheiten bei allen
Beteiligten aufkommen.
Es sollen deshalb zunächst die Kernaussagen der, für PHTLS relevanten, wissenschaftlichen Literatur
zusammenfasst werden (auf Grund der Fülle an Literatur werden hier nur exemplarische Studien aufgeführt):
1) Es gibt keine Evidenz PRO oder CONTRA präklinischer Wirbelsäulen-Immobilisation durch kontrollierte,
randomisierte Studien.
(Kwan et al. 2009; Baez et al. 2006)
2) Es gibt unterschiedliche Ergebnisse bzgl. der Frage, ob das Unterlassen der Wirbelsäulen-
Immobilisation Einfluss auf das Outcome des Traumapatienten hat.
(Hauswald et al. 1998; Masini et al. 1994; Toscano 1988)
3) Es besteht weitgehende Einigkeit über die Tatsache, dass eine alleinig anliegende Zervikalstütze keine
ausreichende Immobilisation der Halswirbelsäule bietet, sondern dies nur durch die Ganzkörper-
Immobilisation erreicht werden kann.
(Horodyski et al. 2011; Lador et al. 2011; Hostler et al. 2009; James et al. 2004; Perry et al. 1999)
4) Durch das Anlegen einer starren Zervikalstütze kann es zur signifikanten Steigerung des Hirndrucks
und zu einem erschwerten Atemwegsmanagement kommen. Bei Patienten mit M. Bechterev kann das
Anlegen einer Zervikalstütze die neurologische Symptomatik z. T. drastisch verschlimmern.
(Clarke et al. 2010; Goutcher et al. 2005; Hunt et al. 2001; Kolb et al. 1999)
5) Durch die Ganzkörper-Immobilisation eines Traumapatienten auf dem Spineboard kann es neben
Schmerzen zur Restriktion der Ventilation, zu Zeitverzögerungen und zur erhöhten Mortalität kommen.
(Bruijns et al. 2013; Morrissey 2013; Connor et al. 2013; Haut et al. 2010)
6) Wird eine Ganzkörper-Immobilisation auf dem Spineboard durchgeführt, bringt die zusätzliche
anliegende Zervikalstütze keinen weiteren Benefit.
(Holla 2012; Butler et al. 2001)
7) Die Vakuummatratze bietet eine bessere Immobilisation als das Spineboard.
(Mahshidfar et al. 2013; Luscombe et al. 2003; Hamilton et al. 1996; Johnson et al. 1996)
Aus der oben zitierten Literatur und den aktuell gültigen Leitlinien wird für die Behandlung von
Traumapatienten folgende Stellungnahme formuliert:
A) Die Immobilisation der Wirbelsäule darf beim „kritischen Patienten“ weder die Diagnostik im Rahmen
des Primary Survey noch die Therapie akuter ABCDE-Probleme verzögern oder behindern. Alle
notwendigen Maßnahmen sollten bei bestehender Indikation zur Immobilisation der Wirbelsäule nach
Möglichkeit unter Einhaltung der physiologischen Achse der Wirbelsäule durchgeführt werden.
B) Wird die Indikation zur Immobilisation der Halswirbelsäule gestellt, erfolgt zunächst eine manuelle
Immobilisation. Für den Transport ist eine Ganzkörper-Immobilisation durchzuführen. Auch bei
bestehender Indikation zur Immobilisation der Brust- oder Lendenwirbelsäule ist eine Ganzkörper-
Immobilisation durchzuführen.
C) Auf Grund der Nachteile, welche eine Ganzkörper-Immobilisation mit sich bringen kann, ist eine
differenzierte Indikationsstellung wichtig. Dies kann z. B. durch den im PHTLS-Buch abgedruckten
Algorithmus erfolgen (basierend auf den NEXUS-Kriterien). Die Canadian C-Spine Rule kann als sehr
gute Alternative zu diesem Vorgehen angesehen werden.
D) Die Vakuummatratze bietet eine bessere Immobilisationsmöglichkeit während des Patiententransports.
Das Spineboard behält seine Daseinsberechtigung für die akute Rettung des Patienten. Ob der Patient
nach der Rettung mit dem Spineboard auf eine Vakuummatratze umgelagert werden kann, muss im
Einzelfall geprüft werden.
E) Bei Patienten mit symptomatischem Schädel-Hirn-Trauma sollte abgewogen werden, ob das Anlegen
einer starren Zervikalstütze unbedingt erforderlich ist, oder ob dieser Patient auch anderweitig
immobilisiert werden kann.
F) Bei der technischen Rettung eines Patienten sollte auf Grund der z. T. erheblichen Manipulation am
Patienten zusätzlich zur manuellen Inline-Immobilisation eine Zervikalstütze angelegt werden.
Diese Empfehlungen wurden auf Basis der aktuellen Datenlage formuliert. Sie unterliegen den, in der
Medizin üblichen, dynamischen Prozessen und müssen stets auf Aktualität überprüft werden.
Bei der Umsetzung dieser Empfehlungen ist neben der medizinischen Dimension auch immer die
juristische Dimension zu beachten. Hier sind vor allem die Ärztlichen Leiter der Rettungsdienste
gefragt, klare Indikationen und Vorgehensweisen in Ihren Rettungsdienstbereichen bei der
Immobilisation zu geben. Diese sollten auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen
und den aktuellen Leitlinien nicht widersprechen.

Die vollständige Literaturliste findet sich auf der Seite von PHTLS hinter obigem Link.

 

Fazit:

Aus dem zeitaufwändigen und fehleranfälligen Routinehandgriff wird eine indikationspflichtige medizinische Maßnahme.

Das geschieht der (Hals)Wirbelsäulenstabilisierung nur Recht. Die Anekdotenberichte um schwerste Wirbelverletzungen die entweder durch unsachgemäßen Transport zur schweren Schäden geführt haben, oder von mobilen, schmerzfreien Patienten und ihren Versorgern bis zur Bildgebung nicht bemerkt wurden ohne irgendeinen Schaden zu verursachen, sie alle sind schon längst ,jenseits der eigenen Erfahrung, durch Studien in Daten gegossen worden. Weitere Studien werden folgen.

Dieses Update, grade auch schriftlich, war alle Relativierungen im Text zum Trotz schon lange nötig. Schließlich wird der differenzierte Umgang mit unseren technischen Hilfen in der Praxis schon lange gelebt und von den Trainern gelehrt.

Das Trio ist komplett – ProMISe

Nach ProCESS und ARISE nun der 3. Teil des Triptychons. Und es bleibt dabei, keiner braucht eine kontinuierliche cvSpO2 Messung.

Trial of Early, Goal-Directed Resuscitation for Septic Shock
NEJM 2015; online first

Wellenreiterin-Triptychon

Nach dem amerikanischen Teil (ProCESS) und dem australasischen Teil (ARISE) nun der europäische Beitrag zur Frage nach der early goal directed therapy (EGDT).

Wohlgemerkt, wie auch schon zuvor erörtert geht es nicht um die Frage, ob Patienten mit schwerer Sepsis Volumen benötigen, sondern insbesondere um den Zielparameter der zentralvenösen Sauerstoffsättigung (cvSpO2).

Es wurden 6192 Patienten an 56 britischen NHS-Krankenhäusern gescreent und 1260 Patienten eingeschlossen und zu je 630 Patienten in eine EGDT und eine Standard-Therapie Gruppe unterteilt.

Die mittleren Blutlaktatwerte in beiden Gruppen waren 7,0 mmol/l (±3,5, EGDT) und 6,8 mmol/l (±3,2 Standard), Zeichen des schweren Erkrankungsgrades in beiden Gruppen. In beiden Armen machten die Patienten mit einem pulmonalen Fokus (Pneumonie) mit je rund 30% den größten Teil der Patienten aus.

Die Patienten beider Studienarme erhielten eine (Breitspektrum)Antibiose und eine Therapie nach Sepsis-Bundle (inklusive Volumentherapie zur Überwindung des septischen-distributiven Schockes).

Zusätzlich wurde im EGDT-Arm ein ZVK zur kontinuierlichen cvSpO2 gelegt und die Patienten nach folgendem Schema behandelt:

promis1

Zielparameter waren ein mittlerer arterieller Druck >65mmHg, <90mmHg, ein ZVD von >8cmH2O und eine cvSpO2 von >70%.

Im Interventionszeitraum der ersten 6 Stunden unterschied sich die Therapie zwischen den zwei Gruppen.

Parameter EGDT Standard
ZVK gelegt 92,1% 50,9%
Median intravenöse Volumengabe (Interquantile) 2000 (1150-3000) 1784 (1075-2775)

Kristalloide

1750 (999-2750) 1500 (900-2380)

Kolloide

1000 (500-1000)
31,6% der Patienten
750 (500-1000)
28,8% der Patienten
Vasopressortherapie 53,3% 46,6%
Dobutamin 18,1% 3,8%
Erythrocytentransfusion 8,8% 3,8%

Bildschirmfoto 2015-03-24 um 10.08.28

Die magere Bezeichnung entspricht dem Original-Supplement. Links soll die stündlich infundierte Volumenmenge, rechts (Achtung, falsch “hängende” Bezeichnung) der Anteil der Patienten mit Vasopressortherapie sein.

Und die Ergebnisse?

  • Kein Unterschied in der 90-Tage Sterblichkeit (29,5% / 29,2%)
  • Die Sterblichkeit in der “Standard-Therapie” Gruppe lag mit rund 29% weit unter der aus älteren Studien bekannten Höhe von rund 40%.
  • Die Kosten in beiden Gruppen unterschieden sich nicht signifikant.

 

Besonders erstaunlich ist: Rund 30% der Patienten beider Gruppen erhielten Kolloide. Spätestens seit dem Cochrane Review von Perel, Roberts und Ker werden Kolloide in der Sepsis nicht mehr eingesetzt und sind von den Herstellern als Zulassung von ihren Produkten aufgrund möglicher Sterblichkeitserhöhungen sowie Nierenfunktionsschäden zurückgezogen worden. Offensichtlich mitten im ProMISe-Studienzeitraum Februar 2011 bis Juli 2014.

 

Fazit:

Die derzeitige zielgerichtete Sepsis Therapie nach Surviving –Sepsis-Campaign-Bundle macht die Verwendung von ZVK zur kontinuierlichen cvSpO2 Messung unnötig.

Wer Frühe-Zielgerichtete-Therapie als:

  • frühe Antibiose nach Probengewinnung
  • aggressive Volumentherapie, am intravasalen Volumenstatus ausgerichtet, Laktat-kontrolliert
  • Lungenprotektive Beatmung
  • supportive Maßnahmen (Insulin, Selen, Ernährung, Mobilisation)

 

versteht, der macht alles richtig.

 

Aus dem geplanten Daten-Pooling und den vordefinierten Sub-Gruppen Analysen werden in den nächsten Monaten sicherlich noch eine Vielzahl von Einblicken in das Wechselspiel aus Sepsis und Volumen gewonnen werden können. Stay tuned.

Automatische vs. manuelle Defibrillation

Das Vermeiden von Unterbrechungen während der Reanimation ist ein wichtiger Faktor für das Überleben von Patienten. Vor allem die nicht-vermeidbaren Pausen (Rhythmuskontrolle und Defibrillation) stehen zur Zeit im Fokus der Forschung. Um besonders die Zeit für die Rhythmusanalyse so kurz wie möglich zu halten, verwenden viele Notärzte eher die manuelle Defibrillationsmethode und umgehen so die Analysezeit. Ob dieses Vorgehen wirklich zu einer Minimierung der preschock Pause führt, hat eine aktuelle Studie nun untersucht.


The association between manual mode defibrillation, pre-shock pause duration and appropriate shock delivery when employed by basic life support paramedics during out-of-hospital cardiac arrest
Resuscitation. 2015 Feb 28;90:61-66. PMID: 25737080

defbrillation

Hierzu wertete ein Forschungsteam um Sheldon Cheskes 335 Reanimationen von Patienten mit schockbarem Rhythmus aus. Von den 335 Reanimationen erfolgte bei 155 (46%) die manuelle Defibrillation mit ingesamt 339 Schocks (196 Schocks durch den Notarzt, 143 Schocks durch den Rettungsassistenten). Bei den übrigen 180 Patienten wurde die automatische Defibrillation angewendet. Zielparameter waren die Anzahl der preschock Pausen von weniger als 20 Sekunden und die mittlere Zeit bis zum Auslösen der Defibrillation.

Bezüglich der Unterbrechungen mit einer Zeit von weniger als 20 Sekunden konnte das Forschungsteam keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Methoden nachweisen (Manuell 82,8% vs. Automatisch 84,8%, p=0,65). Die mittlere Zeit bis zur Defibrillation war allerdings bei der automatischen Defibrillation kürzer als bei der manullen (Manuell 17,0 s vs. Automatisch 15,0 s, p=0,05). Bei den unsachgemäßen Defibrillationen zeigten sich allerdings keine Unterschiede (Manuell 1,0% vs. Automatisch 0,7%, p=1,0).

Fazit:
Auch wenn die automatische Methode zu einer leicht kürzeren Unterbrechung führt, erfüllen beide Methoden zu gleichem Maße das Ziel einer preschock Pause von weniger als 20 Sekunden. Wer sich also mit der manuellen Methode nicht sicher fühlt kann mit der automatischen Methode die selben Ergebnisse erziehlen ohne dabei einen Nachteil für den Patienten befürchten zu müssen.

Nicht vergessen: Eine pre-schock Pausen von mehr als 20 Sekunden führt zu einem deutlich schlechteren Outcome (PMID: 24513129). Ziel einer suffizienten Reanimation ist das Minimieren von Unterbrechungen durch vorrausschauendes Planen der Handlungen.